Der folgende Artikel erschien kürzlich in der Jagdzeitschrift "Der Anblick" - Ausgabe 03/2014. Der ÖFB dankt recht herzlich für die Veröffentlichungsgenehmigung!

 

Fotos: M.Breuer, S. Maurer

Hat das Niederwild noch Zukunft?

Hat das Niederwild noch Zukunft oder muss man als Jäger mit dem Verschwinden des Niederwildes aus unserer Kulturlandschaft leben? Diese Frage stellte man sich beim Niederwild-Symposium des OÖ Landesjagdverbandes in Vöcklamarkt. Stefan Maurer berichtet.

 

 Den Reigen der Vortragenden eröffnete der aus Nordrhein-Westfalen stammende Dr. Heinz Spittler. Er beleuchtete die Entwicklung des Niederwildes in Deutschland und kam zum überraschenden Schluss, dass die Intensivierung der Landwirtschaft nicht das vordringliche Problem ist. Wo Flurbereinigungen durchgeführt wurden, gibt es Dr. Spittler zufolge heute doppelt so viele Feldhasen wie dort, wo das nicht passiert ist. Und eigene Versuche mit Spritzmitteln hätten ergeben, dass diese sich weder direkt negativ auf Hase und Fasan auswirken noch dass diese es indirekt durch veränderte Flora und Fauna täten. Wichtig sei nur eine abwechslungsreiche Feldflur – egal bei welcher Schlaggröße. Große Bedeutung misst Spittler der Prädation bei. Bei den Hasen sind es in den ersten Tagen die Rabenvögel, die hier für Verluste sorgen. In der Folge, wenn die Hasen größer werden und selbst beginnen, Witterung abzugeben, ist es bis zur 14. Lebenswoche der Fuchs, der ihnen den Garaus macht, weil er ihnen bis dahin bei der Fluchtgeschwindigkeit überlegen ist. Und hier beklagte er, dass die Jäger heute so viele Füchse schießen.

Sie tun das nämlich nicht, weil sie ihn so konsequent bejagen, sondern weil es wegen der nachlässigen Bejagung einfach solche Massen gibt, dass allein bei der Zufallsbejagung ein Vielfaches dessen erlegt wird, was früher möglich war. Und beim erwachsenen Hasen sei es schließlich der Uhu, der den Hasen dezimiert.

Anders als beim Hasen sei beim Fasan die Hege wichtig, also die Fütterung in Schütten und die Auswilderung geeigneten Materials. Und hier wären viele Probleme hausgemacht, da viele Fasane aus der Dunkelhaltung stammen und die falsche Genetik hätten, weshalb sie nicht einmal mehr aufbaumen und so leichte Beute sind. Die Entwicklung des Niederwildes in Tschechien, Österreich und der Slowakei wurde von Dr. Miroslav Vodnansky  beleuchtet. Interessant ist hier vor allem, dass sich die Hasenstrecke im 20. Jahrhundert zwar ähnlich entwickelt hat, dass das System seit den neunziger Jahren aber auseinanderdriftet.
In Tschechien beispielsweise sind bis Mitte der siebziger Jahre eine Million Hasen erlegt worden. Dann kam es zum Einbruch, was aber niemand wahrhaben wollte. Deshalb wurde in der Folge auf Teufel komm raus  weitergejagt, um an alte Streckenzahlen anknüpfen zu können, wodurch in den Stammbesatz eingegriffen worden ist, wovon sich der Hase nie mehr erholt hat. Auch in der Folge, als nach dem Zusammenbruch des Kommunismus viele landwirtschaftliche Flächen nicht oder kaum mehr bewirtschaftet worden sind, hat sich der Hase nicht erholen können. Anders in Österreich: Zur selben Zeit hat man begonnen, bewusst auf den Rückgang des Hasen zu reagieren, die Jagd auf Basis von Besatzerhebungen einzuschränken und Maßnahmen zur  Lebensraumverbesserung zu setzen.
Gemeinsam mit einer Regulation der Beutegreifer konnten hier regional gute Erfolge erzielt werden: „Ohne Hege gibt es auch in guten Niederwildlebensräumen wenig Niederwild. Mit Hege kann es auch in schlechten Lebensräumen viel Niederwild geben.“

Dr. Miroslav Vodnansky: „Wo
sich in unserem Kulturland wilde
Fasane nicht halten können,
werden das die ausgesetzten
schon gar nicht können!“

Etwas anders sieht es im Ländervergleich beim Flugwild aus. Fasane werden in Tschechien auch heute noch in großem Stil ausgesetzt, man schätzt etwa eine  halbe Million pro Jahr. Allein ein einziger grenznaher  Forstbetrieb setzt jährlich 120.000 Fasane aus, von denen 65.000 geschossen werden. Vodnansky spricht in diesem Zusammenhang von einem Relikt, von dem man sich verabschieden müsse: „Wo sich wilde Fasane nicht halten  können, werden das die ausgesetzten schon gar nicht können!“
Bei den Rebhühnern sind in Tschechien noch in der Zwischenkriegszeit bis zu drei Millionen jährlich erlegt worden. Seit den siebziger Jahren sind sie geschützt, womit das jagdliche Interesse verlorenging. Heute ist das Rebhuhn dort so gut wie tot. Etwas anders in  Österreich, wo es zwischenzeitlich ganz passable Erfolge bei der Rebhuhnhege gegeben hat. Oft genügt aber ein einzelnes (Wetter-)Ereignis, um alle Bemühungen wieder zunichtezumachen.
Aktuell werden bundesweit um die 7.000 Rebhühner erlegt, 5.900 davon im Burgenland. Schlussendlich sind es also vor allem drei Bereiche, die dem Niederwild Probleme bereiten: eine unzureichende Hege, die oft falsche Bejagung und die halbherzige Raubwildregulation. „Die Raubwildregulation ist der Pfeiler der Niederwildhege“, ist sich Dr. Vodnansky sicher, „aber wir müssen im Legalen bleiben!“


Superfaktor Landwirtschaft

Prof. Klaus Hackländer:
„Raubwildbejagung ist
immer nur eine Symp-
tombehandlung, die nicht
nachhaltig ist und die
Ursachen nicht bekämpft.“

Eine Ursachenanalyse von der wildbiologischen Seite her versuchte Prof. Klaus Hackländer. Er rief ins Bewusstsein, dass der Feldhase evolutionär betrachtet ein Neuling in unseren Breiten ist, der in der europäischen Kulturlandschaft vergangener Jahrhunderte unnatürlich hohe Dichten erreicht hat, womit die großzügige jagdliche Abschöpfung dieser Zeit zu erklären ist. Und genauso wie die Landnutzung mit der damals üblichen Dreifelderwirtschaft zur Blüte des Hasen geführt hat, bedingt die moderne Landwirtschaft einen Rückgang. Den großen Wendepunkt markiert hier die Erfindung des Kunstdüngers Anfang des 20. Jahrhunderts. Dass die Landwirtschaft in dieser Frage der „Superfaktor“ ist, konnte in einer europaweiten Analyse aller vorhandenen Feldhasenstudien einwandfrei belegt werden.Nicht so einfach sei die Situation beim Beutegreifereinfluss, so Hackländer: „Da brauchen wir keine Versuche durchführen: Ein Fuchs, der tot ist, frisst keinen Hasen!“ Das Problem in dieser Frage jedoch ist, dass das immer nur eine Symptombehandlung ist, die nicht nachhaltig ist und die Ursachen nicht bekämpft. Sobald die Raubwildbejagung nachlässt, fällt das Niederwild wieder in ein tiefes Loch. Eindeutig positiv bewährt haben sich die Maßnahmen, die in der EU im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik GAP eingeführt wurden. 1992 gab es einen verpflichtenden Brachflächenanteil von 15 % der genutzten Fläche. Zahlreiche Studien belegen hier den positiven Zusammenhang. Dieser Effekt ist aber verlorengegangen, als diese Brachflächenverpflichtung von der EU wegen Getreidemangels 2008 aufgehoben worden ist. Ein Streckenrückgang ab dieser Zeit ist signifikant. Wie es ab 2015 weitergeht, steht noch in den Sternen.

Es wird gerade verhandelt, wie viel in diese Richtung durch das „Greening“ in der Landwirtschaft aus der Nutzung genommen wird. Das Ziel wären fünf oder mehr Prozent der Agrarfläche, die dann wieder als  ebensraum zur Verfügung stehen könnten.


Das Rebhuhn 2014

Egal, wohin man schaut: Das einst in unserer Kulturlandschaft so häufige Rebhuhn ist vielerorts fast verschwunden – ein weltweiter Parallelabsturz. Torsten Hamberger stellte jedoch ein Projekt vor, bei dem es in Deutschland, Frankreich, England und Österreich gelungen ist, den Rebhuhnbesatz innerhalb kürzester Zeit auf 80 Paarhühner pro 100 Hektar anzuheben. Hamberger zufolge gibt es drei Schrauben, an denen der

Torsten Hamberger: „Mit
dem Schließen des Hungry
Gaps steigern wir die Fitness
der Tiere und beeinflussen
die Menge der zur Brut
schreitenden Paare.“

Niederwildheger drehen kann: Biotop, Fütterung und Prädatoren. Beim Biotop geht es vor allem um geeignete Brutflächen, wofür es im Grunde nicht viel braucht. Es genügen zwei bis sechs Meter breite Altgrasstreifen entlang der Feldränder, die nicht vor Ende Juli gemulcht werden dürfen. Wichtig sind auch Hecken, die aber immer auf Stock gesetzt werden müssen und nicht höher als mannshoch sein sollen, da sich ihr Effekt sonst ins Gegenteil verkehrt. Genau hier könnte jeder (jagende) Grundeigentümer selbst etwas tun, indem er sein Feld einfach nicht ganz bis zum Wald-, Hecken- oder Wegrand hin bewirtschaftet oder zumindest die Ecken der Feldstücke stehen lässt. Die Fütterung sei laut Hamberger vor allem in der Zeit nötig, wo von Natur aus ein Hunger-Loch (Hungry Gap) entsteht. Das ist beim Rebhuhn einmal die Zeit der Verpaarung im Februar und März und dann noch während des Ernteschocks im August: „Mit dem Schließen des Hungry Gaps steigern wir die Fitness der Tiere und beeinflussen die Menge der zur Brut schreitenden Paare teilweise, jedoch in vollem  mfang die Zahl der gelegten Eier!“ Empfohlen wird dabei eine Automatenfütterung, wobei es pro Rebhuhnpaar drei solcher Automaten geben sollte. Unter den Automaten wird eine Waschbetonplatte gelegt. Damit ist die Sache hygienischer, und durch den sich erwärmenden Stein und den gelb gefärbten Automaten finden sich dort zustätzlich Insekten als Kückennahrung ein. Gerade hier fehlt es heute am meisten. Rebhuhnküken  nehmen vom ersten bis zum siebenten Lebenstag 95 % Insektennahrung zu sich, vom 8. bis zum 14. Tag immer noch 90 %. Erst in der dritten Lebenswoche wird schon zur Hälfte pflanzliche Kost aufgenommen und ab dem 21. Tag fast ausschließlich.
Deshalb wird empfohlen, hier mit Putenstarter, Fischmehl oder anderen Eiweißfuttermitteln auszuhelfen. Die dritte Säule betrifft schließlich die Prädation. Ziel britischer Niederwildjäger ist es, dass bei einem Grundstock
von 30 % weitere 30 % gerissen bzw. geschlagen werden und 40 % für die jagdliche Abschöpfung bleiben. Von den Prädationsverlusten entfallen dabei rund 70 % auf den Fuchs. Die Gelegeverluste gehen zu 50 % auf Rabenvögel, der Rest auf Haarraubwild. Ziel sollte es daher sein, die bedeutendsten Fressfeinde des Rebhuhns, also Fuchs und Krähen, entsprechend stark zu regulieren.

 

UNESCO Kulturerbe!

Paris, 5.12.2012 12:02h

UNESCO nimmt auch die österreichische Falknerei in die repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

 

Zoo Schönbrunn mußte alle Pelikane einschläfern

Nachdem die ganze Kolonie der Krauskopfpelikane mit dem Vogelgrippe Virus H5-N8 infiziert war, mußte der Zoo die gesamte Kolonie einschläfern.

Wir sind tief betroffen und können nachempfinden, was dies auch für das Personal des Zoos bedeuten muß.

Wie bereits auch in unserem Newsletter, möchten wir nachdrücklich alle Falkner um entsprechende Unterbringung ihrer Vögel ersuchen.

International Journal of Falconry 2014

Die Ausgabe 2014 der bekannten IAF Zeitschrift wird demnächst erscheinen.

Zur Vorabbestellung und Abonnements kommen Sie direkt durch Klick auf das Bild.

 

Jäger vereint gegen Wildkriminalität

Die Jäger der Welt treffen sich am 24. April 2014 in Mailand, Italien, im Rahmen der 61. Generalversammlung des CIC zu einem historischen Welt-Gipfeltreffen mit dem Titel: “Jäger vereint gegen Wildkriminalität

 

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