Der Falkenhof (zeitgenössische Darstellung)

In der vieltausendjährigen Geschichte der Falknerei waren Falkenhöfe stets ein integrierender und gut dokumentierter Bestandteil dieser historischen Jagdkunst. Die Beschreibungen der Falkenhöfe der japanischen, chinesischen und mongolischen Kaiser füllen viele Bände und Galerien und wurden im Rahmen des UNESCO-Projektes nochmals ausführlich dokumentiert und zusammengefasst (Falconry Heritage Trust). Die Falkenhöfe der europäischen Aristokratie waren Heimstätte der Jagdvögel, hier wurden sie aufgestellt, ausgebildet, gepflegt und wenigen Auserwählten zur Schau angeboten. Die ursprüngliche Funktion dieser Falkenhöfe ist mit Ende des Feudalismus weitgehend erloschen.

Die heute bestehenden „Greifvogelschauen“ „Adlerwarten“, „Adlerarenen“, „Flugschauen“, oder wie immer sie sich nennen, sind fast immer ausschließlich kommerzielle Unternehmen, die zwar ihre Greifvögel mit falknerischen Methoden abtragen, jedoch mit der Falknerei als Jagdkunst bzw. Kulturerbe als solches praktisch nichts mehr zu tun haben.

Die Anerkennung der Falknerei in Österreich als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO sowie die Eintragung in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit („Weltkulturerbe“) bietet jedoch die Möglichkeit, mittels Falkenhöfen, bei denen die Jagdkunst bzw. das falknerische Kulturerbe mit seinen jeweiligen lokalen Facetten im Mittelpunkt steht und Priorität vor dem kommerziellen Interesse hat, Wissens- und Erhaltenswertes einer Kulturtradition zum Thema Falknerei einer breiteren Bevölkerungsschicht zu vermitteln. Damit werden wir unserer Verpflichtung gegenüber der UNESCO, nämlich der Erhaltung eines Kulturgutes in lebendiger – jedoch ausdrücklich nicht in musealer Form – gerecht.

Weiters soll einer immer mehr der Natur entfremdeten Gesellschaft der Naturschutzgedanke und Umweltverständnis  für Greifvögel in der faszinierenden Form eines uralten Kulturerbes der Menschheit näher gebracht werden.

Arbeit am Falkenhof (zeitgenössische Darstellung)

 

Aus Sicht des ÖFB muss ein Falkenhof, der die o.g. Bedingungen mitträgt, folgende Auflagen zwingend erfüllen:

  • Die Haltung der Greifvögel und Eulen (in Folge nur Greifvögel genannt) muss den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes entsprechen.
  • Neueste, anerkannte und erprobte Erkenntnisse im Hinblick auf Verbesserung der Haltungsbedingungen sind, sofern sie dem TschG nicht widersprechen, anzuwenden.

  • Es muss den Besuchern verpflichtend Wissenswertes zur Biologie und Lebensweise der Greifvögel sowie ihrer uralten, aus der Notwendigkeit entstandenen und zur Kunstform erhobenen Zweckbeziehung zum Menschen vermittelt werden. Im Sinne der UNESCO-Anerkennung der Falknerei sind zusätzlich Hinweise auf die Geschichte und das Kulturerbe Falknerei anzufügen.

  • Greifvogelpräsentationen oder falknerische Informationsveranstaltungen/Öffentlichkeitsarbeit außerhalb des Falkenhofes sind ausnahmslos nur dann zu befürworten, wenn sie im Zusammenhang mit der Falknerei als Jagdart oder Falknereikultur stattfinden.

  • Eventartige Veranstaltungen wie Falkner-Schnuppertage, Geburtstagsfeiern mit Greifvögeln, Streichelzoo sowie jede die Würde des Greifvogels herabsetzende Handlung oder Veranstaltung in- und außerhalb eines Falkenhofes werden vom ÖFB strikt und mit Nachdruck abgelehnt.

  • Um einer fundierten Ausbildung von Jungfalknern gerecht zu werden, müssen bei Bedarf von Falkenhöfen Falknerkurse in Theorie und Praxis für den Sachkundenachweis angeboten werden. Als Kursleiter haben ausschließlich fachlich fundierte Personen zu fungieren. Es müssen dazu umfassende Lehrmittel zur Verfügung stehen, ein Lehrmuseum sollte vorhanden sein. Ebenso sind bei Bedarf Fortbildungskurse anzubieten.

  • Ein möglichst großer Teil der am Falkenhof gehaltenen Greifvögel sollte neben den Flugvorführungen auch jagdlich zum Einsatz gebracht werden.

  • Ein Falkenhof muss sich als Anlaufstelle für praktizierende Falkner zur Verfügung stellen, um diese zu beraten oder weiterzuhelfen.

  • Ein Falkenhof hat eine Greifvogelauffang- und Pflegestation einzurichten.

  • Die Professionalität des Betreuungspersonals prädestiniert Falkenhöfe zur Durchführung wissenschaftlicher Projekte für Greifvogelhaltung und Falknerei, gemeinsam mit Universitätseinrichtungen. Falkenhöfe sollten sich daher im Sinne des Erhalts des Kulturerbes Falknerei dafür (selbstverständlich nicht kostenfrei) zur Verfügung stellen.

 

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