Vollschonung der Krähenvögel und deren Auswirkung…“

so lautete der Titel des Vortrages des (ehemaligen) 1. Falkenmeister des ÖFB, Kurt Fessler, bei den Osttiroler Jägertagen 2005.

Kurt Fessler berichtete über die rechtliche Situation, die sich seit dem EU-Beitritt Österreichs in Bezug auf die Bejagung unserer Rabenvögel ergeben hat und warum diese mittlerweile ganzjährig geschont sind. Aufgezeigt wurde auch der Weg, den Vorarlberg in dieser Angelegenheit einschlagen wird, um den Beschwerden der Landwirtschaft, den Gartenbesitzern und selbst den Vogelschützern gerecht zu werden.

Zu den Rabenvögeln wurde gesagt, dass: „… gerade die Krähen und die Elstern die großen Gewinner in unserer Kulturlandschaft sind. Die Wiesenbrüter, das Niederwild und die Singvögel sind die Verlierer. Als intelligenter Vogel, der äußerst anpassungsfähig ist, haben Elstern und Krähen die Dörfer und Städte erobert. Die Nahrungsgrundlage ist gesichert und natürliche Feinde existieren kaum mehr. Jungvögel kommen ohne nennenswerte Verluste in die Selbstständigkeit. Die Freilandkrähen bringen maximal 25 – 50 % des Nachwuchses durch. Sie haben ein ungleich gefahrvolleres Leben. Der Landwirtschaft setzen sie arg zu, im Frühjahr können Schäden an Maiskulturen beträchtlich sein. Im Herbst und Winter hacken sie Löcher in Siloballen, die zu schimmeln beginnen und bei Rindern zu Vergiftungen führen.

Den Junggesellenschwärmen entgeht auf den Feldern nichts. Wiesenbrüter und Niederwild haben kaum Überlebenschancen, selbst bei guten Biotopbedingungen.

Aufmerksame Beobachter beklagen den massiven Rückgang nützlicher Singvögel in ihren Gärten. Aus diesem Grund sind die Rabenvögel bei den Gartenbesitzern nicht besonders beliebt. Die Jägerschaft ist verantwortlich für einen artenreichen Lebensraum, wo Krähenvögel selbstverständlich auch hingehören. Nur sollte ihr Bestand sollte den Lebensraumverhältnissen angepasst sein, wie es auch beim Schalenwild gelebt wird…“

Kurt Fessler teilte weiters mit, dass es sich aus falknerischer Sicht bei den Krähen um ein anspruchsvolles Wild handelt, das in großer Zahl vorhanden ist. Krähen können auch an Orten gebeizt werden, wo Schusswaffen aus Sicherheitsgründen nicht einsetzbar sind. Mit einem Habicht als Sprinter und Überraschungsjäger kann die Krähe im Bereich von etwa 70 Metern bejagt werden. An das Gelände stellt der Habicht keine Anforderungen. Ein Wanderfalke als Flieger im offenen Raum braucht freie Flächen mit einzelnen Bäumen oder Buschgruppen in die er die Krähen treibt. Die Schwarzen nehmen sofort eine Deckung an, wenn sie den jagenden Falken wahrnehmen. Ein erfolgreich jagender Wanderfalke ist ein Schauspiel, das jeden in seinen Bann zieht, ein Naturerlebnis erster Klasse.

Die Beizjagd ist eine stille Jagd, die bei den Jägern große Zustimmung findet – sie ist ein Brückenschlag zu den Vogelschützern und Jagdgegnern, die dieser biologischen Jagd voll zustimmen.

Besonders die Landwirte freuen sich über jede dezimierte Krähe.

Den Abschluss der Rede des Ersten Falkenmeisters des ÖFB bildete eine eindrucksvolle Schilderung über einen erfolgreichen Flug mit einem Wanderfalken auf Rabenkrähen.

Interessierte Besucher der Osttiroler Jägertage hatten auch die Möglichkeit sich auf einem Stand des Österreichischen Falknerbundes (ÖFB) Filme über das geschilderte Jagderlebnis anzusehen. Ein von der Adlerwarte Landskron zur Verfügung gestellter Steinadler sowie die Beizvögel von Falkner Michael Eder, dem einzigen Falkner in Osttirol, wurden ebenfalls präsentiert.

Das große Interesse der Jägerschaft, aber auch der zahlreichen Besucher zeigte, welche Faszination von dieser alten und traditionellen Jagdart ausgeht.


Michael Eder, Falkner, Lienz

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