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Haltung / Abtragen / Jagen
Steven Diethelm

Am Anfang bzw. nach der Beschaffung sollte man den Harris an einem gut übersichtlichen Standort aufstellen, sodass er sich seine neue Umgebung gut und in Ruhe einprägen kann.
In den ersten Tagen habe ich meine HH nur von der Reckkammer (während der Nacht) in eine grosse Voliere  6m x 9m x 3m auf den Sprenkel gestellt, sodass er während meiner Abwesenheit sicher war, sich aber ringsherum die Gegend merken konnte und auch mein Herantreten aufmerksam mitverfolgen konnte.
Auch das Herumlaufen des Hundes ist so automatisch gespeichert worden, ohne das die HH nervös oder sogar wild abgesprungen sind.


Während der ersten Tage zögerte mein HH vom Sprenkel auf die Faust zu springen, dies gehörte jedoch nach ein paar Tagen der Vergangenheit an. Sobald der HH dies mit guter Erfahrung kombiniert hat geht es relative schnell voran.
Die auf der Faust angebotene Atzung muß der HH immer voll aufnehmen können - man soll nie das Futter unten durch wegziehen.
Das Beireiten an der Lockschnur funktionierte auch ziemlich gut und in kürzester Zeit konnte ich meine HH auch ohne die Lockschnur zum Spaziergang mitnehmen. Um eine optimale Muskulatur aufbauen zu können, empfiehlt sich der Freiflug in freier Folge.
Das Tägliche Training mit den HH ist nicht nur gut für die Vögel es macht auch Spass mit ihnen in Kompanie zu arbeiten. Da ich das Glück habe, auch in der Schweiz etwas abseits zu wohnen und meine Volieren in einer mittelgrossen Waldlichtung stehen, können sich meine HH austoben wie sie wollen.

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Weil in der Schweiz meist „nur“ auf Krähen und allenfalls noch auf Stockenten gebeizt wird, war der nächste Schritt bedeutend zeitaufwendiger und war mit dem HH eine spezielle Herausforderung:

Nachdem ich mein HH Weib daran gewöhnt hatte, aus dem fahrenden Auto zu fliegen, war es nur eine Frage der Zeit bis es Beute machen würde....
Als mein HH und ich an einem Seitenkanal eine Stockente erblickten, waren wir,  glaube ich, beide etwas nervös.
So plante ich bei der nächsten Gelegenheit meinen HH aus dem offenen Fenster bei Tempo 50 km/h fliegen zu lassen. Kaum angedacht war mein HH weg! Dass der HH mehr sieht als ich, liegt hauptsächlich daran, dass HH nicht autofahren müssen. Mit erhöhtem Puls und ein wenig außer Atem sah ich meinen HH in die Böschung stechen. Nachdem ich meinen Wagen angehalten hatte, musste ich etwa 60-70m zurück gehen - was ich dann sah konnte ich kaum glauben: Da hockte doch das HH Weib auf einem Stockentenerpel und dies im ersten Anlauf!

Das Training mit dem Terzel verlief im gleichen Stil, nur klebte er an meiner Faust, sobald er den Fahrtwind spürte.
Ich musste das Tempo sachte angehen und dann steigern. Das Problem ist leider nur, dass die Krähen nicht sitzen bleiben wenn man da mit zu geringem Tempo (10km/h) angefahren kommt.
Das ständige Ein- und Aussteigen veranlasste mich meinen HH-Terzel so zu trainieren, dass ich nicht mehr aussteigen musste.
Nach einem Fehlflug des HH-Terzel fahre ich an den Strassenrand oder auf die gefrorene Wiese, rufe oder winke ihm zu, und ohne zu zögern kommt der HH-Terzel dann auf die Faust geflogen und es kann ohne Verzögerung weiter gehen.
Nachdem dies geschafft war, zögerte der HH-Terzel keinen Augenblick um sitzende oder auch fliegende Krähen anzujagen und zu binden. Sogar Stockenten konnte der kleine Kerl binden.
Interessant ist die Jagd in Kompanie auf Stockenten. Da die Enten sofort ins Wasser schiessen, wenn das HH-Weib draussen ist, gehe ich zu Fuß den Kanal entlang mit dem HH-Terzel auf der Faust. Natürlich folgt das HH-Weib in den Bäumen. Sobald die Enten die Nerven verlieren und auffliegen kommt der HH-Terzel in Aktion. Er schnellt sofort nach vorne und jagt die Enten an. Sobald der Terzel los fliegt startet auch das Weib in den Bäumen so kommen sie gemeinsam gut ans Ziel. 
Dem HH sollten ständig gute Jagdmöglichkeiten geboten werden und man sollte sich im ersten Jahr auch nicht gleich auf eine riesige Strecke einstellen.
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Daß all dies o.g. mit einem HH machbar ist, glaubte bei uns anfangs niemand. Auch Sprüche von Dritten ('die fangen ja sowieso nichts') musste ich öfters hören aber diese konnte ich dann sofort zum Verstummen bringen, als ich bei der Falknerprüfung mit dem HH-Weib da stand, welches bereits Krähen beizen konnte.
Schön ist, dass man HH einzeln oder auch in Kompanie das Ganze Jahr hindurch fliegen kann. Ich bekomme ich immer wieder Anrufe von Landwirten und Behörden, ob es möglich sei, dass ich da und dort mit den HH mal vorbeischauen könne - sei es bei der Aussaat oder Ernte.

Da es mir von Berufeswegen erlaubt ist, mit dem Greifvogel zu arbeiten, kommen meine HH täglich zum Einsatz. Auf diese Weise sind sie ständig optimal aufgebaut und in Kondition, für einen sofortigen Einsatz auf dem Feld.

Diethelm Steven
Wildhüter
Vorderbergstrasse 83
CH-8854 Siebnen


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