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Die Idee mit der Falknerei begleitete mich schon seit früher Kindheit. Als ich noch in der Schweiz lebte, hatte ich das Glück Fredy kennen zu lernen. Er weihte mich in die Passion der Beizjagd ein und ich begleitete ihn mehrmals auf Krähen- Beizjagd. Durch das Angebot in Tansania ein Geschäft aufbauen zu können kam auch das Thema Beizjagd ins Gespräch. Bisher hatte ich noch nie einen Greifvogel abgerichtet, mein Umfeld erlaubte es mir nicht. Doch in Tansania müsste es doch gehen.
Mit Fredy besprachen wir die verschiedenen Möglichkeiten. Erst mal hingehen, dann erst Pläne schmieden. Im April 1994 flog ich zum ersten Mal nach Arusha. Land war genügend da und bald schon stand die erste Voliere. Aufgrund der vielen Tieren: Mungos, Ginsterkatzen, Schakale, Schlangen, verwilderte Hunde, etc. musste die Voliere engmaschig und 100 % sicher sein. Beute war viel da. Tauben in Massen, Frankoline, Perlhühner, Hasen, kleine Trappen und von Allem reichlich. In der Zwischenzeit besorgte Fredy sich einen Wanderfalken Terzel und flog ihn auf Tauben ein. Die Cites Dokumente waren schnell besorgt. Bis zum kurz vor dem Abflug wusste Fredy jedoch nicht, ob die Fluggesellschaft KLM überhaupt den Vogel mitnimmt. Im letzten Moment klappte es doch noch. Der Pilot rief Fredy ins

Cockpit und erkundigte sich ob die Temperatur ok sei. Es war Dezember als Fredy in Arusha landete. In der Nacht fuhren wir mit der Kostbaren Fracht zu mir nach Hause. Durch die Hitze begann am nächsten Morgen der Terzel Fredy an zu balzen. Es dauerte einige Tage bis der Terzel wieder auf Jagdgewicht war und gespannt fuhren wir ins Gelände. Die Tauben waren erblickt und der Falke in der Luft. Doch was jetzt passierte überraschte uns alle. Ein wilder Lannerfalke erschien aus dem Nichts und hetzte den Terzel in einen Akazienbaum. Akazien haben lange Dornen! Zwei Tage später versuchten wir es an einem anderen Ort. Sandflughühner! Wunderbar, Falke raus und schön wie sich die Sandflughühner drücken. Diesmal kein Konkurrent in der Luft. Wir warteten bis der Terzel über uns zurückkam und schon prescht ein Gleitaar an uns vorbei und attackiert den Terzel. Klar die Sandflughühner sind nun weg. Verängstigt setzt sich der Terzel auf den Boden. Wieder Tage später an einem neuen Ort sehen wir Tauben bei einer Regenpfütze. Falke setzt zur Jagd an und keine 50 Meter stürzen sich zwei Kronen-Kibitze auf den Falken. Ein erneuter Versuch endete damit, dass drei Raubadler und ein Lannerfalke versucht haben dem Terzel die vermeintliche Beute (Sender und Geschüh) abzunehmen. Wir beide dachten der Vogel sei hin! Verängstigt saß er in eiImagenem Akazienbaum. Der Sender hatte klare Eingriffe von Krallen. Wochen lang versuchten wir einen geeigneten Platz zu finden, frei von Konkurrenten. Beim lokalen Flughafen war ein Maisfeld das gerade geerntet wurde. Dutzende von Tauben suchten im Felde nach Körnern. Mittendrin ein Busch. Das ist es. Schnell der Falke raus und schon flog er rasant zu den Tauben. Diese zogen sich in den Busch zurück. Der Falke stieg über den Busch und wir rannten hin um sie heraus zu scheuen. Dann ging alles sehr schnell. Was Großes flog an uns vorbei und der Terzel hinterher. Erst als der Wanderfalke im Stoppelfeld landete realisierten wir, dass er sich mit einem wilden Lannerfalken verkrallt hatte. Schnell packte Fredy den Lannerfalken bevor er den Terzel verletzen konnte. Wir nahmen ihn nach Hause um zu untersuchen, ob er nicht ernsthaft verletzt sei. Beide schienen unverletzt. Unzählige versuche endeten mit Störungen von Konkurrenten. Eines Tages jedenfalls wurde der Terzel derart in die Flucht geschlagen, dass er verschwand. In der Nacht fand ich ihn dank dem Sender. Das Signal kam von einem Baum. Juma, mein ständiger Begleiter im Busch, kletterte hoch, packte ihn an den Fesseln und brachte ihn zu mir. Seither lebt der Terzel in dem Meserani Schlange Park und Zoo außerhalb der Stadt Arusha.

Ich ging davon aus, dass es besser sei, wenn ich einen einheimischen Vogel nehmen würde. Juma, der mir wöchentlich auch Mäuse zur Fütterung meiner Zwergfalken brachte, kam eines Tages mit zwei fast flüggen Lannerfalken. Das Weibchen richtete ich ab. Erstaunlich wie schnell sie zutraulich wurde und keine Woche nach dem sie in der Voliere hin und her flog, schlug sie ihre erste Vorlass-Taube. Am folgenden Tag schlug sie ihre erste wilde Palmtaube! „So dass war's“ dachte ich, nun habe ich den richtigen Vogel. Die Konkurrenten der Luft ließen mir aber keinen Spielraum. Ich brauche nichts Weiteres zu berichten, ich würde mich nur wiederholen!

Eines Tages brachte mir ein südafrikanischer Berufsjäger einen jungen Adler.
Der flauschige Jungvogel wog 116gr. Zuerst vermutete ich einen Raubadler. Ich fütterte den Jungvogel mehrmals täglich kleine Portionen mit Streifenmäuse-Fleisch. Die ersten paar Tage zog ich den Mäusen das Fell ab. Knochen und Organe ließ ich drin, nur den Magen-Darmtrakt warf ich weg. Mit einem Hammer zertrümmerte ich alle Knochen zu Brei. Nach einer Woche wog er schon 300 gr. Wenn immer ich fütterte, versteckte ich mich hinter einer Abschirmung und das Futter verabreichte ich mit Hilfe einer Perlhuhn Attrappe. Am 11.Oktober schoben die Stossfedern durch, da wog der Jungvogel 610 gr. Mittlerweile gab ich ganze Mäusestücke in der Perlhuhn Attrappe versteckt. Am 17. Oktober mit 935 gr, stand der Vogel zum ersten Mal im Kunsthorst. Als das Kleingefieder anfing Farbe zu zeigen, kam die Vermutung, dass es sich um einen Habichtsadler handeln könnte.
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Am 11. November landete Fredy zu einem zweiten Besuch in Arusha. Neugierig betrachtete er den Jungvogel. Fredy intensivierte das Training und übte den Beutereflex. Am 12. November und einem Gewicht von 1288 gr packte der Habichtsadler bereits kräftig die Beuteattrappe. Am 27. November bäumte der Jungvogel zum ersten Mal auf. Das Training wurde nur noch im Freien durchgezogen. Vom Gewicht her war der Jungvogel ein Weibchen. Am 7. Dezember und einem Gewicht von 1395 gr schlug sie das erste Perlhuhn. Wir fuhren einem Schotterweg entlang als einige Perlhühner vor uns auf dem Weg rannten. Ich nahm die Haube ab und hielt ihn bei fahrendem Auto zum Fenster raus. Er verkrampfte sich am Handschuh und schaute den vor sich hin rennenden Perlhühnern zu. Rechts und links vom Weg war das Gras sehr hoch und die Perlhühner konnten nicht ins Gras schlüpfen. Als diese sich bei einer Lücke in das Gras verzogen und wir daran vorbeifuhren, ließ der Habichtsadler los und packte sich die erste Beute. Kein Atemberaubender Flug, keine spannende Verfolgung......... Ich taufte sie Safi. Auf Suaheli „Gut“!
Am 11. Dezember erbeutete Safi das zweite Perlhuhn. Wieder keine wahnsinnige Jagd. Hauptsache sie fängt und entwickelt sich. Am 25. Dezember fuhr ich mit dem Habichtsadler nach Longido. Etwa 500 m vom Horst sah ich ein adulter Habichtsadler mit einem Jungvogel. Sicherlich ein Elternvogel mit dem Geschwister. Bis zum 4. Januar gelang es Safi noch 9 weitere Perlhühner zu schlagen. Jedoch entwickelte sie nie dramatische Flüge. Mir war wichtig, dass sie vertrauen gewinnen konnte und jagte. Über der Beute war sie aggressiv und mantelte stark, solange sie noch nicht mit kröpfen anfing.
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Ich musste für 14 Tage weg und Juma fütterte Safi durch. 1707 gr wog sie nach meiner Rückkehr. Mit 1670 gr schlug sie das erste Frankolin. Nun fing sie an nach dem Freiflug sich auf das Autodach zu setzen. Ich baute ihr eine Sitzstange vorne über dem Fenster, so dass ich sehen konnte was sie machte. Mit der Zeit konnte ich mit Safi auf dem Dach durch den Busch fahren. Langsam den Pischweg nach. Wenn immer sie es für richtig fand, flog sie los und versuchte Beute zu schlagen. Mißlang der Versuch kehrte sie ohne zu rufen oder mit dem Federspiel zu schwingen zurück auf das Autodach.

So konnten wir  Nachmittage lang durch die Ngaserai-Ebene fahren. Zu Beginn verfolgte sie Alles Mögliche. Schlug einst eine Eidechse, verfolgte einen Sekretär und zwang ihn zur Landung. Attackierte sogar eine Grantgazelle. Das extremste war, als eine Riesentrappe durch das hohe Gras zog. Safi sah nur den Kopf und flog ihn gleich an und griff sie am Kopf. Doch als diese die Flügel öffnete ließ Safi los und landete neben der Riesentrappe am Boden. Erfahrungen wie diese ließ das Beutespektrum schmälern. Schnell merkte Safi, dass sie die Sandflughühnern nicht einholen konnte, Kiebitze zu wendig sind und Antilopen zu groß. Die Freude an der Jagd stieg mit jedem Erfolg. Ungeduldig flog sie in der Voliere wenn sie merkte, dass ich das Auto packte. Wenn immer die Jagdflüge lang und erfolglos endeten kreiste sie hoch suchte das Auto und landete auf das Dach. Bedingt durch das Gelände waren die Jagdflüge nie länger als 80 – 100 m. Einst stand ein Dik Dik (Zwergantilope) auf dem Weg. Der Habichtsadler schaute minutenlang ihr zu, erst als sie in das Dickicht flüchtete, verfolgte er sie und packte sie im Gestrüpp. Safi knetete solange bis kein Zucken mehr zu spüren war. Um an die Beute zu kommen, warf ich ein toter gerupfter Quelia (Kleiner Vogel) ihr vor die Sicht. Sie ließ dann die Beute los und stürzte sich auf den Quelia. Solange sie mantelte packte ich die Beute in die Jacke, ging zurück zum Wagen und wartete bis sie den Quelia verschlang. Dann flog sie zurück auf das Autodach. Und weiter geht es auf der Suche nach neuer Beute.
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Eine spezielle Begegnung war, als wir versuchten Perlhühner aus dem Busch zu klopfen. Der Habichtsadler saß auf dem Baum und ich klopfte mit dem Schlangenstock die Perlhühner raus. Einzeln flogen sie davon und da verfolgte ein wilder Wanderfalke ein Perlhuhn,........ erfolglos - kam zurück und da setzte sich der Falke in den gleichen Baum wie der Habichtsadler. Erneut verfolgt der Falke ein neu aufgescheuchtes Perlhuhn. Der wilde Wanderfalke ignorierte mich total. Der Habichtsadler verfolgte die Hühner nur wenn sie rannten.
Der Rekord war an einem Nachmittag 1 Frankolin, 1 Triel, 1 Coucal sowie 2 Kaphasen in der Dämmerung. Um 16 h war ich normalerweise im Gelände und um 18 h 45 war es bereits dunkel.
Als Hauptbeute beim Flugwild hatten sich Frankoline sowie die kleine Trappen als Ideal heraus kristallisiert. Bei Perlhühnern hatte sie oft Mühe sich auf ein einzelnes Huhn zu konzentrieren, sie rannten immer wild durcheinander. Sehr gerne hatte sie Kaphasen sowie Dik Dik's gefangen. Die verfolgte sie besonders intensiv.

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Am 26. Juli fing sie an die Flügeldeckfedern zu mausern. Im August fing das Auge an sich gelb zu verfärben. Am 26. August hatte sie die erste Schwungfeder gemausert. Am 4. Oktober die erste zentrale Stossfeder.

Da mein Vertrag abgelaufen war und ich Tansania verlassen musste, ließ ich Safi am 1. Dezember 1998 an der Grenze zum Tarangire National Park fliegen. In der Abenddämmerung ließ ich sie ein Frankolin rupfen und verließ den Ort.

Schade!

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