von Kurt Fessler

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Wanderfalke 'GPS'


Im Frühjahr ist für einige Falkner Neuorientierung und so mancher setzt sich mit dem Gedanken auseinander, sich einen Krähenfalken aufzustellen. Es gibt Vor- und Nachteile, die nach den eigenen Möglichkeiten abzuwägen sind. Ich spreche hier von der Krähenjagd mit einem Falken. Fünf grundlegende Elemente sind für diese Art der Falknerei erforderlich:

·1 Genügend Krähen
·2 Offenes Gelände  mit einzelnen Bäumen oder Baumgruppen
·3 Mehrere Reviere, die mit dem Falken bejagt werden können
·4 Drei Jagdeinsätze in der Woche, auch im Winter
·5 Einen Falken mit Herz, der die Krähen auch liebt

Der Falkner oder die Falknerin, die diese Kriterien erfüllen kann, wird mit der Krähenjagd Flüge erleben, die den Falken fordern und Strecken, die fast keine andere Beizjagd hervorbringt. Durch regelmäßige Erfolge werden die Falken derart motiviert, dass sie in höchster Kondition geflogen werden können. Das Flugvermögen von Krähenfalken die 4-6 Monate auf den Schwingen sind, ist enorm, wenn sie in dieser Zeitspanne zwischen 50- 100 Krähen fangen.

Hier spreche ich von optimalen Bedingungen wenn eine Krähe pro Tag gefangen wird. Mit vermauserten Falken können auch mehrere Krähen an einem Tag gefangen werden. Der frei lebende Greifvogel fängt nur soviel, wie er zum Überleben braucht.
Rotfalken sollten nach der ersten Krähe aufgeatzt werden. Nur wenn er sich nicht anstrengen musste, sollte er eine Zweite fangen. Es wird auch Tage geben, an denen der Falke nicht erfolgreich jagt, was auch gut ist.

Von verschiedenen Seiten kamen Anregungen, für angehende Falkner meine Erfahrungen niederzuschreiben. In der letzten Saison trug ich einen Jungfalken ab und setzte ihn ein, um Rabenkrähen zu beizen. Jetzt sind die Erinnerungen noch ganz frisch. Da die Falkner dazu neigen, Vergangenes immer etwas blumig wiederzugeben, vermutlich auch ich, lassen wir keine Zeit verstreichen.
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Ich werde Strecken von verschiedenen Krähenfalknern  bzw. deren Falken anführen um auch Landwirten und Jägern vor Augen zu führen, welch ein Nutzen ein Krähenfalke, der über mehrere Jahre in einem Gebiet eingesetzt wird, für sie hat. Dasselbe gilt natürlich auch für Habichte. Einige, die diesen Bericht lesen, werden nicht meine Erfahrungen teilen, doch die, die im Club der 100er sind, werden mir beipflichten. Eine Gruppe von Falknern fliegen exzellente Krähenfalken, die auch enorme Strecken über die Jahre erzielten.

Am letzten Punkt, bei der Wahl eines geeigneten Falken scheiden sich die Geister. Das Angebot an Falken ist groß, es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Züchter die besten hat. In den letzten Jahren kristallisierte es sich eindeutig heraus, Falken vererben ihre Eigenschaften genauso wie Jagdhunde.
Verschiedene Linien eignen sich besonders zum Anwarten, andere sind mutig und lieben die Krähen und einige sind einfach nur groß. Mit der Auswahl eines geeigneten Falken hat man die halbe Miete. Von Hybridfalken werden Wunderdinge erzählt, gesehen hab ich sie noch nicht. Reine Gerfalken wurden zu wenig eingesetzt, um ein Urteil abzugeben. Die Jagdfalken (Saker Lanner,Lugger) brauchen einen Falkner, der mit allen Salben geschmiert ist. Also bleibt der Wanderfalke in all seinen Spielarten übrig. Mit ihm haben wir die meiste Erfahrung.

Er kommt mit seiner Art zu fliegen, seinem Verhalten, dem Falkner entgegen. Die Krähen kennen ihren Feind, wenn nicht, lernen sie ihn kennen. Unser heimischer Wanderfalke fängt in freier Wildbahn selten Krähen, ich habe es noch nicht gesehen. Meine Erfahrung: unser heimischer Wanderfalke auf Krähen eingesetzt: der eine macht es, der andere nicht. Eine Lotterie, die Zeit und Geld kostet, zumindest ein Jahr.
Ideal sind Wanderfalken mit einem durchschnittlichen Fluggewicht von 900g. Größere sind nicht so wendig und kleinere werden von der Krähe gegriffen und gezwickt. Ich kenne einige Falken mit einem Fluggewicht unter 800g., die die Krähen gut fangen. Es ist alles möglich. Der Falke muss mutig die Krähe jagen und Bisse oder Griffe ins Gesicht ignorieren.
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Im letzten Jahr entschloss ich mich einen jungen Wanderfalken auf Krähen einzufliegen. Da ich ja selber Wanderfalken züchte fiel die Wahl auf einen kräftigen, gut gebauten Wanderfalken. Die Eltern wurden von mir geflogen und so konnte ich vermuten, was in dem Vogel steckt. Die Mutter ist ein Wüstenfalke, der Vater Vertreter der nördlichen Wanderfalken. Beim ersten Wiegen brachte sie 840g auf die Waage.

Ich war zufrieden, das Verhalten war sehr angenehm und die Ausbildung ging mit zügigen Schritten voran. Der Falke hatte einen guten Appetit. Den hatte er vom Vater, denn Wüstenfalken können ihren Energieverbrauch reduzieren und ihr Gewicht lange halten. Eine Anpassung an die kargen Lebensräume. Die ersten Freiflüge waren spannend , die sind für mich eine Offenbarung. Bei denen zeigen sie ihr Potential, ihre Veranlagung. Sie machte mir jeden Abend viel Spaß. Ihre großen Ringe  mit dem Drang nach oben zeigten jedoch, da fliegt ein Anwarter vom Feinsten. Dieser Falke jagte erst, wenn sie ihre Höhe erreichte, von dort jagte er auf alles mit mehr oder weniger langen Flachstößen.

Diese Stöße gingen über einen Kilometer und wurden mit einer hohen Flügelschlagfrequenz ausgeführt. Die erste Beute war ein Schwarzer Milan, den ich unverletzt abnehmen konnte. Die zweite Beute war eine Krähe. Mittlerweile war der Mais zwei Meter hoch und alles, was durch die Gegend flog, warf sich vor diesem ungestümen Falken in den Mais oder in die Bäume. Um diese Jahreszeit stecken gerne Füchse im Mais. Sollte der Falke eine Krähe über dem Mais binden und in diesen Fallen ist ein Fuchs schneller beim Falken mit der klagenden Krähe als ich. Sie jagte die Krähen fast nie direkt an, erst wenn sie ihre gute Position hatte und die war immer gut. Kurz entschlossen wurde Miss Laden zum Anwarten weitergeflogen und ein Jungfalke aus dem Zweitgelege von der Nixe auf den Rasen gestellt.

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Beispiele von 2 erfolgreichen Jagdflügen (MPeg Dateigröße ca. 5MB je Kurzfilm), gefilmt von Waldemar Lawniczak


Dieser Jungfalke hat einen ganz anderen Habitus: schlank, spindelförmig, lange Schwingen, große Hände. Ein typischer Vertreter von Wanderfalken, die an der Küste im Norden vorkommen. In der Voliere konnte sie nichts aus der Ruhe bringen und am Block auch nicht. Auf die Wage brachte sie 930 g, ein leichter Falke. Diese nördlichen Vertreter der Wanderfalken sind normal einiges schwerer.
Das Gewicht ist eine Sache, das Fliegen und Jagen eine andere. Dieser angenehme Falke machte bis zum ersten Freiflug nur Freude. Bei strömendem Regen flog der Falke einen weiten Ring immer steigend. Als ich ihr das Federspiel zeigte, kam sie mit großer Geschwindigkeit angesaust, schlug dieses an holte einen Ring und schlug es wieder an. Das wiederholte sich mehrmals. Zwischendurch entfernte sie sich einige hundert Meter, kam wieder und das Spiel wiederholte sich. Erst als ich das Federspiel an den Rand eines Maisackers warf, flog sie in diesen hinein. Sie stand drei Meter drinnen und war von der Situation irritiert.

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Bei den ersten Freiflügen kann es immer Überraschungen geben. Für diesen Fall hab ich immer eine tote Taube dabei. Nach einigen Minuten stand sie auf der Taube, am Kröpfen immer zu mir schauend. Vorsichtig robbte ich zu ihr, nahm vorsichtig einen Geschühriemen, machte sie fest und ließ sie die Taube kröpfen. Der Falke war total nass und ich auch. Die Erkenntnis: ein zäher Flieger. Die nächsten Flüge waren weiträumig und auch sie ging auf eine Position, von der sie eine gute Übersicht hatte. Bei der Arbeit mit dem Federspiel zeigte sie eine beachtliche Ausdauer. Die Stöße wurden mit enormem Schwung ausgeführt. In kurzer Zeit machte sie über 50 Durchgänge in gutem Stil. Ihr Flugstil erinnerte mich stark an ihre Tante Hally Barry, die Florian Zlimnig äußerst erfolgreich auf Krähen fliegt.

Dieser Falke jagte die Krähen direkt und mit großer Freude an. Sie jagte die Schwärme in Baumgruppen, in den Mais und machte sie fest wie ein alter Profi. Aus solchen Situationen konnte sie mit dem Federspiel zurückgeholt werden, wo sie mit einem vollen Kropf belohnt wurde. Mit der Krähenjagd wollte ich erst nach der Österreichischen Falknertagung beginnen. Dann ist der Mais abgeerntet, das Laub von den Bäumen und die Krähen sind fit.  Miss Laden, der Anwarter zeigte sich von der besten Seite und hatte bei Fasan und Rebhuhn schon zugeschlagen.

Den zukünftigen Krähenfalken nahm ich zur Beizjagd mit dem Anwarter mit um sie zu bewegen. Bei diesem Freifliegen jagte sie einzelne, hoch fliegende Krähen an, brachte sie mit tollen Flugmanövern zum Einfallen. Dieser flugfreudige Falke hat die Eigenschaft immer an den Abflugort zurückzukehren. Wenn ich mit dem Auto nach dem Fliegenlassen des Falken den Standort wechselte, flog sie genau an jene Stelle, wo sie abgeflogen war. Auf Grund dieser angenehmen Eigenschaft nannte ich diesen Falken GPS.
Zwei Fasane konnte sie bis Mitte Oktober fangen und drei Krähen, die von ihren Kameraden wieder freigekämpft wurden, da ich zu weit entfernt war.

Nach der Österreichischen Falknertagung besorgte ich mir zwei frische Krähen, die Klaus Leix mit seinem Wanderfalken fing. Nach einem Freiflug warf ich eine tote Krähe in die Luft, die der Falke band und zu Boden segelte. Ein voller Kropf als Belohnung und zum Kennenlernen. Bis dahin hatte sie noch keine Krähe gekröpft. Auf keinen Fall darf es eine eingefrorene sein. Die sind schmierig und sicher nicht das Beste. Damit der Falke richtig belohnt werden kann, wurde er jeden zweiten Tag geflogen.

Der Mais war fast überall abgeerntet und das Laub an den Bäumen schon recht bunt. Ein Frost oder Herbststurm, dann ist es dahin. Meine Freunde waren alle fleißig am Krähenbeizen. Der eine oder andere konnte sich die Frage nicht verkneifen: „läuft es nicht so richtig an“. Ich war guter Dinge und die beruhigende Antwort lautete: „Am Schluss wird abgerechnet“. Mein Ziel, fünfzehn gute Winterkrähen, die einem unerfahrenen Falken alles abverlangen, ist OK.
Ich hatte Vorteile, einzelne Schwärme kannten mein Auto und suchten die nächste, nicht immer die beste Deckung. In den fünf Saisonen, die ich mit Woopy jagte, fielen ihr über 400 Schwarzröcke zum Opfer.

Auch die schlauen Krähen können über ihre Intelligenz stolpern. Nach dieser hochgeworfenen Krähe wurde am 02.11.07 die erste Krähe von GPS gefangen. Bis zur sechsten Krähe war es eine zähe Geschichte. Es gab wenig Krähen. Für diese sechs Krähen brauchte ich 10 Jagdtage mit sicher 25 Flügen. Dann hatte ich das Glück  die Abendversammlung der Krähen  bei Walter Sprecher in der Schweiz mit meinem Falken zu bejagen.

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Dort versammeln sich an die 1000 Vögel zuerst in kleineren Trupps, später als ein Schwarm. Bei mir waren auch wieder mehr Krähen durch den frühen Wintereinbruch anzutreffen.
Die abendlichen Sammelstellen hatten sich gegenüber dem Vorjahr verschoben. Das Verhalten der Krähen am Abend muss klar sein. Fehlflüge waren selten, der Falke jagte große Schwärme, kleine Trupps und einzelne Krähen.

Ziemlich schnell erkannte sie die Hilfe von der Bodentruppe und ein Blau jagen gab es eigentlich nicht. Sie konnte Situationen gut einschätzen, um für sich Vorteile zu erkennen. Bis zur Schweizer Tagung am ersten Wochenende im Dezember war die Strecke auf etwa 20 Krähen angewachsen.

Tagungen sind immer gut, um sich auszutauschen und es können verschiedene Falken bei der Jagd beobachtet werden. Bei dieser Jagd treffen sich einige Könner. Für mich als Züchter ist es eine besondere Freude, jedes Jahr dieselben Falken zu sehen, denen ich aus dem Ei geholfen habe. So ein Familienfoto ist eine Freude.

Das Wetter war stürmisch, Krähen gab es für Schweizer Verhältnisse wenige. Doch wir sahen tolle Flüge, die den Falken und Habichten einiges abverlangten. Zuhause setzte GPS ihre Erfolgserie fort. Bei den Krähen gibt es über den Winter mehrere Qualitätsmerkmale. Nach dem ersten Schnee im Dezember ist die Krähe eine bessere. Im Jänner sind sie wirklich fit und einige Falken verlieren die Passion, da sie zu viel Fehlflüge aufweisen. So um den 5. Februar, je nach Wetter, tritt die Situation ein, dass sich die Krähen nicht mehr aus der Deckung heben lassen. Die Falken riskieren mehr, damit steigt auch die Verletzungsgefahr für die Beizvögel. Wie wird der Jungfalke mit dieser bekannten Tatsache fertig?

Um Weihnachten und Neujahr ist die Zeit Freunde zu besuchen, um miteinander zu beizen.
Meine Frau, Walter Sprecher und ich nahmen die Einladung von Christine und Pierre Basset gerne an, um nach Weihnachten mit ihnen zwei Tage den Krähen nachzustellen. Im Watland wird in Form der Patentjagd die Jagd ausgeübt.

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Der 'Pflichttermin' bei Wolfram Nickel


Das heißt,ein Patent (Bewilligung) wird gelöst und der ganze Kanton darf bejagt werden. Von dem können wir mit dem System der Revierjagd nur träumen. Wir trafen uns in einem Gasthaus am Anfang des Kantones rechts vom Murtensee. Nach einer herzlichen Begrüßung bereiteten wir die Beizvögel für die Jagd vor. Pierre erklärte uns den Tagesablauf , in welchem Gelände wir fliegen und wie die Reihenfolge der Beizvögel sein kann. Das Jagdgebiet hat große Flächen mit einzelnen Gehölzen und Bäumen, ideal zum Krähenbeizen. Für den Habicht boten sich gute Chancen, die er anfangs nicht nutzen konnte. Auf einer Hochebene mit weit verstreuten Baumgruppen waren etwa 300 Krähen. Ein so grandioses Gelände, ich war ganz weg. Ich lockerte die Haube von GPS und die Krähen wurden angefahren. Die kannten das Spiel , der Falke jagte den Schwarm an und nahm eine einzelne aufs Korn.

Nach mehreren Stößen konnte sich die Schwarze in einen Schuppen retten. Mittlerweile war der Schwarm  in einer guten Höhe, ein zweiter, den wir nicht gesehen hatten, vereinigte sich mit diesem. Wo war GPS ? Ich stieg aus dem Auto und sah sie etwa 500 m entfernt in unsere Richtung fliegen. Dann schwenkte sie in Richtung Schwarm, der 700-900 m seitlich hinter uns am Himmel kreiste. Mit wuchtigen Flügelschlägen zog sie zu den Krähen hinauf mit steigender Frequenz. Bei den Schwarzen brach Panik aus, Pierre und Christine fuhren an uns vorbei zu einem Wäldchen unter dem Schwarm. Einzelne fielen in das Wäldchen ein, dann der ganze Schwarm. Ein Schauspiel, wie die Krähen als schwarze Tropfen vom Himmel fielen.

Der Falke flog in 80-100m über dem Wald und wartete bis Pierre mit der Ratsche ans Werk ging. Abkippen, Tropfen, aufsteilen, noch zwei Stöße und sie segelt mit der Krähe in den Acker. Fast alle Krähen fliegen aus dem Wald und suchen das Weite.

Christine nimmt ihren Falken Karma und lässt sie die davoneilenden Krähen angreifen.
Das nächste Wäldchen wird etwa 800m entfernt sein. Wie ein Hütehund drückt sie den Schwarm in das Gehölz. Pierre und Christine fahren zu dem Gehölz, daß Spiel wiederholt sich. Nach mehreren Stößen hat auch Karma gefangen. Für diese zwei Flüge hatte ich einen Logenplatz. Nachdenklich nehme ich den Falken auf und stelle sie unter die Haube. Das war der beste Flug von GPS. Das Gelände bestimmt doch erheblich die Art wie der Falke fliegt.

Das Fluggewicht liegt bei 940 g. wie ich sie aus der Kammer genommen hab. Der Appell ist sehr gut und sie hat sich noch nie abgestellt. Die Krähen hat sie immer angenommen. Ich war rundum zufrieden. Bei den anderen angekommen ging es gleich weiter. Bis zum Abend waren alle erfolgreich . Nur für die Abendversammlung, ein großer Sammelplatz waren wir ein wenig zu spät, um einen abschließenden Flug zu machen.

Am Abend bei Christine und Pierre redeten wir über Falken, die Zucht und den Nachmittag, der uns so viel Freude bereitete. Nach einem reichlichen Frühstück zeigte uns Christine ihr Haus mit Garten, das direkt am Genfer See liegt. Über dem See auf der anderen Seite liegt Frankreich, links das Wallis mit seiner grandiosen Bergwelt.

An diesem Tag suchten wir links vom Murtensee nach Krähen. Walter konnte mit dem Habicht drei Krähen fangen. Die Falken machten ihre Sache wie am Vortag. Vom Fuße des Jura hatten wir einen tollen Blick auf den Montblanc.

An den zwei Tagen konnten wir 9 Krähen beizen, bei Sonnenschein und einer leichte Brise, was will man mehr? Als Randbemerkung: der alte Falke von Pierre ist im 14. Flug und ihre Lebensstrecke liegt bei 1054 Krähen. Karma ist im 3. Flug. Ihre Strecke liegt bei 92 Krähen. Im zweiten Flug war sie sechs lang Wochen verstoßen. In der Zeit ernährte sie sich von Krähen, bis sie auf dem Federspiel eingezogen werden konnte. An den zwei Tagen hatte sie vier Flüge, die erfolgreich waren.

Ein Pflichttermin bei Wolfram Nickel ist in der ersten Jännerwoche. Seine Möglichkeiten auf Krähen sind ähnlich wie bei Pierre Basse, viele Krähen und offenes Terrain. Diesmal fanden sich sieben Krähenfalkner ein, die elf  Krähen an einem Tag zur Strecke brachten. Jürgen Schuster, Markus Mugele, Klaus Leix, Wolfram Nickel,  Haigel Erwin und seine Schwester Christel Strebel.

Aachen, Ende Jänner, ein Erlebnis aus gesellschaftlicher wie auch aus falknerischer Sicht. Mit 25 Beizvögeln auf die Schwarzen ist laut Johannes Kuth das Limit erreicht. Bei den ersten Veranstaltungen waren es einige Unentwegte, die mitmachten. Die Beizjagd auf Krähen hat doch einige Anhänger gefunden. Mit Jürgen Schuster fahre ich jedes Jahr nach Aachen. Das stürmische Wetter bereitete mir Unbehagen. Bei mir zwischen den Bergen gibt es wohl Föhnstürme , jedoch nicht diesen Sturm. GPS hielt sich erstaunlich gut im Wind, ihre langen Schwingen kamen ihr dabei entgegen. Wie immer war das Abendprogramm ausfüllend, bei einigen ging es bis in den Morgen. Trotz widriger Umstände war die Strecke hervorragend. Kein Falke ging verloren.

Auf der Rückfahrt wollten Jürgen und ich noch bei ihm  beizen. Er mit Freya und ich mit GPS, auf der Tagung flog Jürgen die Nixe. Bei Jürgen sind die Krähen besonders gut. Über 20 Jahre Feinddruck macht fit. Nach je zwei Flügen hatte jeder seine Krähe. Beide Falken zeigten sich von der besten Seite. Auf der Heimfahrt meinte Jürgen, ein schönes Wochenende war das. Mit der Großmutter, der Mutter und der Tochter haben wir an diesem Wochenende Krähen gefangen.  GPS ist die fünfte Generation, die auf Schwarzröcke eingesetzt wird. Ihre Großmutter wie auch ihre Mutter haben zusammen über 900 Schwarze gefangen.  

Am 12.02.2008 beizte ich mit GPS die 50. Krähe . An 57 Tagen setzte ich diesen Falken auf Krähen ein. Neunmal ging ich ohne Krähe nach Hause. Für einen Jungfalken, der auf die guten Winterkrähen eingesetzt wird, beachtlich. Sie konnte sich gut auf neue Situationen einstellen. Die immer besser beflogenen Krähen brachten sie eigentlich nie ans Limit.
Dem Falken wurden auch sehr gute Chancen geboten, bei denen sie ihr Leistungsvermögen zeigen konnte. Für einen Jungfalken sind verschiedene Jagdgebiete mit Standortwechsel für die folgenden Jahre wichtig. Die Möglichkeiten, einen Falken auf Krähen einzujagen, sind groß. Alle Weg führen nach Rom!  

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In meinen Anfangsjahren der Falknerei  wurde die Krähenjagd als zweitrangig abqualifiziert. Falken die nicht steigen wollten, wurden für diese Jagdart genommen, mit meistens mäßigem Erfolg. Für die Krähenjagd ist das Beste gerade gut genug. Wer die Beizjagd auf Krähen ausüben möchte, sollte dies mit ganzem Herzen tun. Nur der wird Erfolg und einzigartige Flüge erleben. So nebenher geht es nur mit einem erfahrenen Falken, der seinen Job kennt.
Bevor ein Falkner sich in dieses Neuland begibt, empfehle ich ihm, einige Male mit einem erfolgreichen Krähenfalkner mitzugehen, um der Materie näher zu kommen
70% der Krähen werden mit der richtigen Taktik erbeutet und nicht mit Wunderfalken.

Mit Falknersheil und gutem Gelingen!


Kurt Fessler

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