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von Sergej Pavlovich Prokopenko & Martin Knörr



Die Ukraine gilt an sich als falknerische Terra incognita, obwohl sie weniger als tausend Kilometer von München oder sechshundert Kilometer von Wien entfernt liegt. Protagonisten der Mitteleuropäischen Falknerwelt wie Christian de Coune oder Eckhardt Schormair haben sie schon besucht, wo bleibt aber der Mainstream-Falkner? Lockt doch die Südukraine mit ihrer wilden Steppe, weiten Feldern und einer beachtlichen Niederwildstrecke: Rebhühner, Fasane, Hasen, Enten und im Winter Gänse, auch Gross- und Zwergtrappen kommen vor, die aber aus Schutzgründen nicht bejagt werden.
Mitte August 2007 hatten wir das Vergnügen, auf der Kertschhalbinsel (befindet sich zwischen zwei Meeren, dem Schwarzen und dem Asowschen Meer) zu beizen. Mit zwei Autos erreichten wir unser Beizgelände, das sich rund 50 km südwestlich von der Stadt Kertsch befindet. Die Halbinsel ist geprägt durch wenige extensiv bewirtschaftete Felder und noch weniger Windschutzhecken, aber vor allem durch wilde Steppe. Reiner Horizont, die absolute Abwesenheit von Menschen und das Fehlen von Hochspannungsleitungen oder Zäunen ermöglicht eine Beizjagd ohne Sorge um die mitgebrachten Vögel.

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ImageDas Fehlen von Ortschaften und Menschen bringt aber auch mit sich, dass als Übernachtungsmöglichkeit nur das Zeltlager übrig bleibt, wir haben unseres in einer schattenspendenden Feldulmen-Windschutzhecke aufgeschlagen. Die Möglichkeit, gleich im Nachbarfeld zu jagen passte uns und den Vögeln aufs Beste, wie auch die heiße Mittagszeit mit einem Badeausflug an ein Meer unserer Wahl mit menschenleerem Sandstrand zu verkürzen. Für die Suche führten wir zwei junge Hunde, einen Deutsch-Kurzhaar und einen Deutsch-Drahthaar mit. Drei männliche Rothabichte und ein weiblicher Rotfalke waren unsere Jagdgenossen. Der Jagderfolg war aufgrund der geringen Erfahrung der Hunde wie auch der Vögel eher bescheiden; Zweitagesstrecke: neun Rebhühner und sieben Fasane wie auch eine Sumpfohreule (wieder freigelassen).

Der August 2007 war sehr heiss mit Tagestemperaturen von weit über 30° C und Nachttemperaturen von 20° C, leichter Ostwind mit 5 m/Sek. brachte kaum Abkühlung. Insgesamt ist das Klima mild und ausgesprochen mediterran. Im Winter fällt das Thermometer selten unter die Null-Grad-Grenze. Im Sommer sind Steppenbrände nicht selten, darum aufgepasst mit dem Lagerfeuer: Wasserstellen sind selten.
Was die Ukraine sonst noch zu bieten hat an heimischen Greifvögeln oder zum Greifvogelzug wie auch an detaillierten Beizjagdschilderungen (Beizjagd auf Saatgänse mit dem Ger- oder Sakerfalken) sind andere Geschichten, davon mehr in der nächsten Ausgabe oder direkt in der Ukraine.


Kontaktadresse: mkn@gmx.ch

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