von FM Josef Hiebeler

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Lubor Engler & Josef Hiebeler

Vor ca. 17 Jahren hatten ein paar Enthusiasten, allen voran die Berufsfalkner Jaro Kanat und Anton Moravcik, die Idee, eine spezielle Fuchs- und Rehjagd zu veranstalten. Am Anfang waren es nur ein paar
Adlerleute, wobei der Hauptanteil der Jagdadler von den Rosenburger (NÖ) Berufsfalknern kam. Die Jagden fanden in der Gegend um Rimaska-Svoboda statt.

Bei der ersten Jagd, wo großzügig angestellt wurde, war auch Jürgen Färber mit seinem Jungadler dabei. Man stellte mit Lubor Engler und Josef hiebeler vor der Burg Spisky hrad etwa fünf Vögeln einen langen Schilfstreifen ab, den die Treiber durchstrichen. Jürgen und meine Wenigkeit hatten das Glück, oder auch das richtige Gespür, sich an dem idealen Platz aufzustellen, wo gleichzeitig auf meiner Seite ein Reh und
bei Jürgen ein Fuchs kam. Die Flüge waren gigantisch, das Reh flüchtete 300 Meter ins freie Feld, wo es vom Steinadler Astur perfekt geschlagen wurde. Der Fuchs wurde von Jürgens Jungadler geschlagen (es war der erste Fuchs des jungen Adlers). Am nächsten Tag wurde dann von meinem Steinadler Astur noch ein weiteres Reh geschlagen.


So könnte man in den vergangenen Jahren viele interessante Jagdgeschichten der Adlerspezialisten erzählen. Nach vielen Jahren Pause, auch aus Zeitgründen, habe ich mich in der vergangenen Jagdsaison im November wieder dazu entschlossen, mit drei Adlern an der großen Fuchsjagd teilzunehmen. Im Laufe der Jahre hat sich diese Fuchsjagd zu einer ganz professionellen Adlerjagdwoche entwickelt. Die Hauptorganisatoren Lubor Engler und Miroslav Mozola (beide Forstmeister) bereiten die Jagd in drei verschiedenen Regionen in Zusammenarbeit mit slowakischen Forstschulen generalstabsmäßig vor. Die Forstschüler fungieren dabei gleichzeitig als Treiber.


In diesem Jahr wurden noch zu Beginn zwei Tage Hasenjagd bei Dargorsky Richtung Michalovce (nahe der ukrainischen Grenze) dazu genommen. Die Hasen in dieser Gegend sind am schwersten zu fangen von ganz Europa. Das war die Meinung von allen Teilnehmern. Der Grund ist, dass in diesem Gebiet viele Kaiseradler leben, und es gibt kaum Hasen in der Sasse und selten, dass einer knapp vor dir aufsteht. Alle Hasen stehen bereits 70 bis 200 Meter entfernt auf. Jeder Falkner weiß, was das heißt.
Trotzdem haben unsere Adler einige Hasen auf große Entfernungen fangen können. Es ist wie eine Meisterprüfung, in dieser Gegend Hasen zu fangen, und es kristallisierten sich schnell die gut trainierten Spezialisten heraus.


Es ist nicht wichtig, ob man ein Adlermännchen oder ein -weibchen fliegt. Bei dieser Jagd waren die Weibchen erfolgreicher. Zum Beispiel das größte Weibchen Farida, mit einem Jagdgewicht von 5.050
Gramm oder das 5-Kilo-Weibchen von Peter Krischan fing am selben Tag ein Reh und zwei Hasen.

Nach der Hasenjagd ging es dann am Abend ca. 150 Kilometer Richtung Tatra, in die Gegend von Biacovce, um die geniale Burg Spisky Hrad. Alle Adlerleute wurden in der Forstschule einquartiert, von wo aus die Fuchsjagd rund um die monumentale Burg stattfand, man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt.
Bis alles angestellt war, verging eine 3/4 Stunde. In der Zwischenzeit machte ich es mir schon auf einem Sitzstock gemütlich, von wo aus ich ein 2 km-Arial überblicken konnte. Meinen zweiten Adler gab ich
Micha, einem Förster und Organisator, in Sichtweite von mir auf die Faust. Micha hatte von Adler bis dahin keine Ahnung, was die Handhabung eines Adlers betrifft.

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'Altmeister' Josef Hiebeler


Aber er war ein guter Schüler, er befolgt alles was ich ihm ausführlich vorher erklärt hatte, z. B. was zu machen ist, wenn ein Fuchs auftaucht. Das Treiben hatte kaum begonnen und der erste Fuchs kam einen
Kilometer entfernt aus dem Schilf den Steilhang Richtung Micha zugelaufen. Als der Fuchs Micha bemerkte, bog er nach rechts ab, und verschwand als roter Strich. Micha schaute zu mir und ließ das kirgisische Adlerweibchen Farida los nach 300 Metern band diese den Fuchs tödlich. Ich rannte zu Micha herunter und
versorgte den Adler und wir trugen zusammen, sehr glücklich, die zwei Adler und einen Fuchs wieder den Berg hinauf zu unseren Standplätzen. Der Adler von Micha hatte einen Viertelkropf vom Fuchs geatzt. Als wir beide noch den Flug diskutierten, riefen die Treiber plötzlich „Fuchs“!
In großer Entfernung, etwa 500 Meter, strich ein Fuchs in voller Fahrt davon. Weil niemand einen Adler warf, nahm ich die Haube von Farida ab, sie reagierte sofort und nahm die Verfolgung auf. Nach einer
tollen Flugattacke band sie den Fuchs. Als ich fast atemlos bei Adler und Fuchs eintraf, sah ich, dass es ein starker Fuchs von 10 kg war. Ich musste ihn abfangen, da der Adler alle Kräfte brauchte, um den
Fuchs zu halten. So hatten wir das Glück in 15 Minuten zwei Füchse zur Strecke zu bringen.
Ich machte den Adler sauber, versorgte die Füchse, in der Zwischenzeit hatte auch Miro Mozola, ein absoluter Adlerspezialist, aus dem Anwarten heraus im Schilf einen Fuchs gefangen.
Am nächsten Tag waren wir dann auf der anderen Seite der Burg angestellt worden. Ich nahm wieder Micha als Adlerträger mit und gab ihm wieder das Adlerweibchen Farida, ich nahm meinen Terzel Timur und wir stellten uns auf Sichtkontakt in einer Linie auf. Zu mir nahm ich auch noch Hanney Girgis, ein „serbisches Original”, der ein junges Adlerweibchen von diesem Jahr von mir erworben hat. Auch er stand
in unserer Reihe.

Es dauerte nicht lange und Hanney rief „Fuchs, Fuchs“, was natürlich den Fuchs veranlasste gleich wieder in das Schilf zurückzulaufen. Diese Szene wiederholte sich noch zweimal, bis ich Hanney klarmachte, dass er im Übermut nicht rufen und schreien darf. Auf einmal kam der Fuchs auf Höhe von Micha und wir diskutierten kurz noch, ob das Weibchen oder der Terzel fliegen soll. Ich gab schließlich Micha ein Zeichen Farida los zu lassen, die diesen leichteren Fuchs einige Meter in der Luft mitnahm – so hatten wir Fuchs Nummer 3. Hanney, Micha und meine Wenigkeit fuhren in die Forstschule zurück, stellten den erfolgreichen Adler Farida auf seinen Sprenkel und fuhren zur Jagdgruppe zurück. Hanney war schon traurig, dass sich noch kein Erfolg einstellte. Also half ich ihm, sich an den richtigen Platz zu stellen und zwang ihn zum Schweigen.
Nach meiner Erfahrung ein guter Platz für einen Fuchs – wo das Schilf ausläuft und die Deckung am nächsten ist. Nach 15 Minuten sah ich im Schilf einen Fuchs, der sich Richtung Hanney bewegte. Erst als er aus dem Schilf erschien, rief ich zu Hanney „Fuchs“! Dessen junges Adlerweibchen band den Fuchs auf 50 Meter perfekt. Die Freude von Hanney war so groß, dass er nicht in der Lage war, den Fuchs selbst abzunicken, was ich für ihn machte.

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Hany mit seinem Fuchs


In der Zwischenzeit haben unsere Kollegen Miro und Lubor zwei Füchse erbeuten können. Es war eine Traumjagd mit viel körperlicher Anstrengung und ein Jagderlebnis mit großen Adlerspezialisten unter sich, aus Tschechien, Österreich und der Slowakei (10 Adler insgesamt). Ich fuhr am Abend mit vier Füchsen nach Hause,
wobei die anderen Kollegen zur letzten Jagd weiter zogen, in Richtung Hohe Tatra in Liptovsky Hradok, wo noch einmal drei Tage auf Reh und Fuchs gejagt wurde.

Insgesamt wurden in der Jagdwoche sechs Rehe und 17 Füchse erlegt. Für falknerische Verhältnisse eine große Strecke und große falknerische Leistung, was die Vögel anbelangt. Ein persönliches Dankeschön an die Organisatoren für ihre großartige Gastfreundschaft.

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