von Nigel King, UK (Übersetzung. Christian Habich)

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Ein Sperber, eine Woche, 30 Elstern ...


Vor einiger Zeit hat mich mein guter Freund Christian Habich gebeten, doch einmal einen Artikel über Zucht und Abtragen von Sperbern zu schreiben.

Ich züchte und beize jetzt seit über 27 Jahren mit Sperbern und habe bereits im zarten Alter von 12 Jahren meinen ersten Sperber abgetragen. In der 'guten alten Zeit' war es bei uns in England für einen Jungen nicht ungewöhnlich, in der Natur eine Sammlung von Vogeleiern zu haben und  bei mir war es auch nicht anders. Ich war begeistert über mein erstes Sperberküken, nachdem ich dessen Nest anfänglich für das eines Eichelhähers gehalten hatte.


Schon zwei Jahre später begann ich, anfangs nur mässigem Erfolg, Sperber zu züchten. Mittlerweile glaube ich,  endlich das richtige 'Rezept' für die Sperberzucht gefunden zu haben  und die Ergebnisse in den letzten Jahren waren wirklich außerordentlich gut. In dieser Zeit habe ich viele Artikel von anderen Falknern gelesen, unter anderem die in Mavrogordato's berühmten Buch "Hawk for the Bush" erwähnte 'Tageslicht Abschirmung'.

Ich möchte meine folgenden Ausführungen in die Abschnitte Zucht mit Aufzucht und Ausbildung für die Beizjagd gliedern.

Das größte Problem bei der Zucht, an dem viele Zuchtversuche scheitern ist, daß der Sprinz vom Sperberweib getötet wird. Meiner langjährigen Erfahrung nach, passiert dies meist in den Monaten April und Oktober. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, warum dies gerade im Oktober passiert, aber ich habe das Gefühl, daß es sich hier wahrscheinlich bei manchen Sperbern um eine Art 'Herbst-Balz' handelt.

 Die Sprinze beginnen sich in der Regel etwa ab März etwas territorialer rund um den Horst zu verhalten und versuchen das Weibchen aus dem Horstbereich zu verscheuchen. Der nächste Schritt für den Sprinz ist das Ausstaffieren des Horstes mit Lächenzweigen, die man vorher auf ein
provisorisches, bereits vor ein paar Monate vom Falkner gebautes Nest gelegt hat. Während all dieser Zeit kann man vor allem in den Morgenstunden erhöhte Aktivitäten vernehmen.

Als nächstes wird man bald bemerken, daß der Sprinz die gesamte Atzung, die man in die Voliere gibt, für sich beanspruchen wird. Das kann manchmal zu Problemen führen, aber für die meisten Falkner, die sich schon mit der Accipiter -Zucht beschäftigt haben, ist dies ein normales Verhalten.
Der Sprinz wird am Horst bis in den späten April weiterbauen, bis das Weibchen den Horst übernimmt und die letzten 'kosmetischen' Veränderungen am Horst vornimmt. Dies ist jetzt die gefährlichste Zeit für den Sprinz und auch meist der Zeitpunkt, wo der Sprinz dem Sperberweib zum Opfer fällt. In meinen Zuchtvolieren habe ich dichte Tuijen gepflanzt, damit der Sprinz genug Deckung hat, sich dorthin zu flüchten.

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Stunden nach dem Schlüpfen


Zucht & Aufzucht:


Vor allem sollte man die Voliere nicht zu groß bauen - 3,30m x 3,30m ist mehr als genug, da der Anblick eines auf- und abfliegenden Vogels den Jagdtrieb eines Sperbers auslöst und die Wahrscheinlichkeit einer fatalen Attacke auf den Partner beträchtlich erhöht.
Wesentlich ist auch, die Voliere oben komplett lichtdicht zu machen (vgl. Mavrogordato), da Sperber, als scheue Spezies, oben offene Volieren meiner Meinung nach nicht so gut vertragen. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme spanne ich noch ein 10mm Kunststoffnetz ca. 5 cm unter dem Volierenplafond. Dies verhindert mögliche Verletzungen, wenn  Sperber nach oben fliegen.Das Netz muss stramm gespannt werden, damit die Vögel davon quasi abprallen.
Als nächstes baue ich ein Nestplattform ca. 70cm unter dem Plafond der Voliere und darauf ein provisorisches Nest aus Lärchenzweigen. Eine Abgrenzung aus Tuijen wird, wie schon erwähnt, in der Mitte der Voliere gepflanzt.
Diese Abgrenzung stellt die Deckung für den Sprinz dar. Zusätzlich ist eine Sitzgelegenheit für den Sprinz nahe oberhalb des Horstes bereitzustellen, von wo aus der Sprinz das Nest überwachen kann, wie er es auch in der freien Natur macht.
Jetzt ist es an Zeit ein  Zuchtpaar auszuwählen. Man wird sich klarerweise für ein nicht verwandtes Paar entscheiden, welches nicht älter als 10 Tage alt ist. Normalerweise füttere ich beide Vögel zusammen bis sie ca. 16-20 Tage alt sind, zu stehen beginnen und selbständig an der Atzung zu zupfen. Die Sprinze sind, aus gutem Grund, immer etwas schneller in der Entwicklung als die Weibchen. Dann wird das Paar in die geschlossene Voliere in das vorbereitete Nest überstellt, wo sie über eine über dem Nest angebrachte Klappe mit Atzung versorgt werden. Ab diesem Zeitpunkt habe ich keinerlei direkten Kontakt mehr mit den Sperbern. Sie werden das Nest bereits in den nächsten beiden Wochen verlassen und das Ästlingsstadium simulieren.

Größenvergleich Sprinz
Größenvergleich Sprinz
Größenvergleich Weib
Größenvergleich Weib


Auf dieser Weise aufgezogene Sperber werden in der Regel bereits im nächsten Jahr ein befruchtetes Gelege haben. Von der Theorie, daß Sperber im ersten Jahr noch nicht brüten bin ich schon vor ein paar Jahren abgekommen, nachdem ich bei einem Sechser-  Gelege eines Jungvogels vier befruchtete Eier feststellte!

Gut verpaarte Sperber werden in der Regel bis zu sechs Eier legen. Ich lasse die Eier im ersten Jahr immer im Nest und versuche erst im zweiten Jahr ein Nachgelege zu erzielen. Auf diese Weise erreiche ich bei meinen Zuchtpaaren normalerweise 8-10 befruchtete Eier pro Weibchen. Die ersten fünf Eier brüte ich in einer alten Turnex -Brutmaschine aus, die ich vor über 10 Jahren erworben habe. Ich betreibe die Brutmaschine mit einer relativ niedrigen Luftfeuchtigkeit bei 37.5 Grad. Die ersten Jungen beginnen dann nach 33-35 Tagen zu schlüpfen. Sofort nachdem die Jungen geschlüpft sind gebe ich sie kleine Plastikbehälter.
Ich verwende keine speziellen kommerziellen Aufzuchtboxen mehr, da ich mit diesen nie wirklich erfolgreich war und der Meinung bin, daß die Jungvögel darin der Wärme nicht 'entfliehen' können. Desweiteren hat man das Problem mit dem lebensnotwendigen UV-Licht - ich bin nämlich absolut überzeugt davon, daß junge Sperber schon im frühesten Stadium natürliches Sonnenlicht benötigen. Warum sonst wohl, richten wilde Sperber ihre Horste genau nach dem Sonnenlicht aus?

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Aufzucht während der ersten Tage


Ich benutze eine Day&Night Reptilien-Glühbirne. Die Sperberjungen könnensich zur Licht- Wärmequelle hin- oder wegbewegen - je nachdem wie sie es bevorzugen.
Man wird auch beobachten können, daß die Sperberjungen ganz eng aneinander liegen, sodaß sie fast wie ein einziges Küken aussehen. Dies erinnert mich immer ein wenig an japanische 'Netsuke' - viele Tiere vereint aus einem einzigen Stück Elfenbein geschnitzt. (Anmerkung des Übersetzers: Diese dienten zur Befestigung des Inro, einer flachen, kleinen, mehrteiligen Lackholzdose am taschenlosen Kimono.)
Ich füttere die jungen Sperber bereits am ersten Tag. Dafür verwende ich Ringeltaubenfleisch, welches kurz in ein Produkt names 'Potent Brew' von Birdcare getunkt wird. Dies ist ein Probiotikum mit dem ich über Jahre beste Erfahrungen gemacht habe. Zusätzlich mixe ich noch Kalzium-Laktat Tabletten dazu. Wenn die jungen Sperber  4-5 Tage alt sind, werden die
Ringeltauben  2-3 mal durch den Fleischwolf gedreht, wobei man besonders aufpassen muss, daß keine spitzen Kochenstücke dabei sind!
Besonders wichtig es, die jungen Sperber niemals auf völlig glatten Oberflächen zu halten, da es sonst sehr schnell zu Mißbildungen der Ständer kommt. Ebenso führt Kalziummangel sofort zu Rachitis und anderen Fehlbildungen.

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Bald ist's soweit...


Die meisten meiner Sperber werden als Beizvögel verwendet bzw. verkauft und sind vom ersten Tag an 100% menschengeprägt. Ich füttere meine Sperber immer mit der Hand und beschäftige mich täglich mit ihnen. Desweiteren bin ich kein Anhänger von: 'bringe den Vogel zur Atzung“, anstatt ihn mit der Hand zu füttern. Dies hat schon oft zu hitzigen Diskussionen mit anderen Falknern
geführt, aber man muß ganz einfach fragen: trägt etwa ein wildes Sperberweib seine Jungen zum Futter? Mit Sicherheit nicht!

Das Hauptproblem, daß die meisten Sperber-Falkner haben ist, daß sie ihren Sperber nicht früh genug an Wild bringen. Sobald ein Sperber regelmäßig erfolgreiche Jagdflüge macht, ist er für den Falkner als Jagdvogel ein absoluter 'Genuß'.

Generell haben zuviele Falkner Angst vor dem Vorurteil, daß ein Sperber an der Gewichtsreduktion stirbt - aber darüber möchte ich in der nächsten Folge berichten ...

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