Gewöhnung an den Morgenstau ...von Nigel King, UK (Übersetzung. Christian Habich)

Anmerkung: Den ersten Teil dieses Artikels finden Sie hier.

Ich hoffe, daß der erste Teil meines Artikels den österreichischen Falknern gefallen hat und der nächste Teil bereits 'erwartet' wird.

Normalerweise ziehe ich meine Sperber die ersten 8-10 Tage von Hand auf, dann erwarte ich, daß die Falkner die Vögel bereits abholen. Ich belasse immer ein Sperberjunges (meist einen Sprinz) im Nest damit es von den Eltern aufgezogen wird. Damit habe ich ein weit besseres 'Gewissen', als ihnen alle Jungvögel wegzunehmen und sie quasi ganz ohne 'Aufgabe' zu lassen.
Normalerweise stelle ich Falknern keine elternaufgezogenen Sperber zur Verfügung, da ich dies für zu aufwendig und problematisch erachte - Gefiederschäden sind dabei fast immer vorprogrammiert.



Da ich die Jungen praktisch vom ersten Tag an mit der Hand aufziehe, sind diese sofort überaus zahm und fühlen sich wohl. Wer noch nie einen Vogel von Hand aufgezogen hat, wird die erste Handaufzucht als großartige Erfahrung schätzen. Der enge Kontakt mit dem Vogel ist überaus wichtig und garantiert eine gute Beziehung mit dem Vogel. Vom 8.Tag an versuche ich den Vogel nicht mehr mit der Hand anzufassen, sondern nur mehr mit einen Stück Karton vorsichtig aufzuheben. Der Grund dafür ist, daß Accipiter ihre Beute mit den Fängen töten und ich im Laufe der vielen Jahre immer mehr daran glaube, daß die Jungvögel das unsachgemäße Aufnehmen mit der Hand instinktiv als Beutegreifen ansehen, davon eine Art kleinen Schock davontragen und die Annäherung des Falkners dann nicht mehr positiv sehen bzw. sogar vor ihm zurückweichen. Dieses Zurückweichen ist dann ganz besonders für die sich entwickelnden Staartpennen sehr schlecht.

 Es ist sehr wichtig den Jungvogel an wirklich alle Umwelteinflüsse (Personen, Autos, Kühe, Schafe etc.) zu gewöhnen - ganz besonders an Hunde, mit denen der Vogel früher oder später konfrontiert werden wird. Über die vielen Jahre habe ich herausgefunden, daß Sperber anscheinend bzw. seltsamerweise Besen nicht besonders mögen und ich muß gestehen, daß ich meine Frau schon viele Male etwas zu lautstark 'zurechtgewiesen' habe, wenn sie die Küche gefegt hatte und damit die jungen Sperber 'gestresst' hat!

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Wichtig: Vertrautheit mit Hunden


Die Atzung reiche ich immer in einer kleinen weißen Schale und für gewöhnlich gibt's täglich 3-4 Mal große Portionen. Ich bringe den Vogel niemals zur Atzung - ich sehe einfach keinen Grund darin und habe dies bereits im ersten Teil dieses Artikels damit begründet, daß auch Wildvögel ihre Jungen nicht zum Futter 'tragen'. Sobald der Jungvogel stehen kann und an der Atzung zupft, versuche ich ihn sobald wie möglich dazu zu animieren auf der Faust zu atzen. Der Vogel wird dem Falkner später noch viel besser vertrauen, wenn er bereits in diesem frühen Stadium auf der Faust atzt. Ein Freund von mir entschied einen meiner Vögel letztes Jahr in der Aufzuchtphase ständig soviel Atzung zu geben wie er nur wollte (nicht auf der Faust) und sogar erlaubte ganze frisch geschlachtete Tauben selbständig zu kröpfen - mit dem Resultat, daß der Vogel später extrem mantelte und dem Falkner sogar ins Gesicht schlug, sobald sich seine rechte Hand der Atzug auf der Faust näherte. Das Beispiel zeigt auch ganz klar, wie wichtig es ist, den Vogel bereits in der frühesten Phase daran zu gewöhnen, daß die rechte Hand (ohne Handschuh) ebenfall ständig an der Atzung präsent ist.

Sobald der Vogel trocken ist, beginnt dann das eigentliche Training. Ich denke nicht, daß ich an dieser Stelle beschreiben muss wie man einen Accipter zum Faustappell trainiert, dieses vorausgesetzt, möchte ich die Grundzüge überspringen und nur einige Punkte nennen, die mir über die Jahre sehr geholfen haben:

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Sprinz 'ready for action'


Sobald der Vogel ohne Zögern d.h. augenblicklich zur Faust kommt, muß man ihm unbedingt daran gewöhnen diesen Faustappell auch aus hohen Bäumen zu haben.  ies ist deshalb so wichtig, da ich schon erlebt habe, daß sich viele junge Sperber auf diese Art und Weise verstoßen: Der Vogel landet auf einem hohen Baum und es fällt ihm schwer (ohne es vorher gelernt zu haben) sich einfach runterfallen zu lassen und auf der Faust zu landen. Somit fliegt der Vogel dann von Baum zu Baum und der Falkner steht unten und 'wedelt' mit dem Küken wie mit einem siegreichen Lottoschein. Auch handaufgezogene Sperber verwildern extrem schnell, und ein Vogel der einige Tage draußen ist, ist in der Regel verloren bzw. erfolgreich ausgewildert. icht weit von meinem Haus gibt es einige Wohnblocks, wo ich meine Sperber in Sachen Faustappell aus großer Höhe trainiere. Ich gebe zu, daß dies ein wenig unorthodox ist, aber für mich funktioniert's einfach prima.

Viele Falkner in England verwenden auch für den Sperber das Federspiel. Ich bin der festen Überzeugung, daß ein Sperber ein Faustvogel ist und verwende daher kein Federspiel. Ein Sperber, der nicht aus jeder beliebigen Lage auf die Faust kommt, ist einfach nicht richtig bzw. ausreichend trainiert.  Außerdem fliegt man in unserem Gelände den Sperber häufig auch bei hohem Gras, in dem der Vogel das Federspiel schlecht sieht. Gepaart mit der Tatsache, daß der Vogel nachdem er einmal im nassen hohen Gras gelandet ist, für die nächste Stunde nicht einsatzbereit ist, hat sich das Thema Federspiel und Sperber für mich erledigt.

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Erfolgreicher Sprinz auf Elster'


Ich jage mit meinem Sperber 5 Tage in der Woche und zusätzlich 2 Tage Appell-Training. Es ist sehr wichtig das Appell- Training ebenfalls ständig durchzuführen, da die Sperber, wenn man mehrere erfolgreiche Flüge (am gleichen Tag) hintereinander hat, sonst mit der Zeit dazu tendieren Flüge zu verweigern, um blau zu jagen. Schon viele Sperber wurden auf diese Art und Weise verloren.

Sobald der Appell paßt und der Falkner sich sicher ist, daß dies auch so bleibt, ist die Zeit gekommen, den Sperber erstmals an Wild zu bringen. Je früher dies passiert und je früher der Vogel mehrere erfolgreiche Jagdflüge hinter sich bringt, desto früher wird auch das Lahnen aufhören. In der Regel hört der Vogel nach ca. 30 erfolgreichen Jagdflügen auf zu lahnen und glaubt mir, es braucht nicht sonderlich lange um diese Zahl zu erreichen. Anfangs bevorzuge ich den Sperber nur auf Elstern zu fliegen, da hier eine perfekte Chancengleichheit gegeben ist und erfolgreiche Jagdflüge auf Elstern dem Vogel große Selbstsicherheit geben. Es gibt kein großes Geheimnis für den ersten erfolgreichen Jagdflug. Sobald der Sperber das richtige Jagdgewicht erreicht, wird er praktisch alles anjagen!

Die Jagdgewichte meiner Sperber varieren - ein handaufgezogenes Weib hat in der Regel ein Jagdgewicht von 8-9oz (227g - 255g) auch 7-8oz (199g - 227g) sind nicht ungewöhnlich. Sprinze fliegen zwischen 5-6oz (142g-170g) darunter gibt's mit Sicherheit Probleme!

Im dritten Teil meiner Ausführungen möchte ich dann ein wenig mehr auf die Konditionierung und die Jagd mit dem Sperber eingehen. Bis bald ....

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