von Robert Bagley (Übersetzung Mag. Christian Habich)

Der größte Vogel der amerikanischen Grouse-Familie wurde erstmals in den 70er Jahren aktiv mit Falken gebeizt. Seit dieser Zeit haben die Erfahrungen der Falkner viel zum Verständnis über die Lebensgewohnheiten und die Verhaltensmuster über dieses außergewöhnliche Beutewild gesammelt und beigetragen. Eine steigende Anzahl von Falknern zieht die Beize auf Sage Grouse jedem anderen falknerischen Beutewild vor und erkennt die Sage Grouse auch als eine der größten Herausforderungen der Beizjagd an. Sage Grouse leben in den weiten offenen und menschenleeren Gebieten des amerikanischen Kontinents. Sie laufen so gut wie niemals aus und halten einen Point, um dann plötzlich und unerwartet mit Höchstgeschwindigkeit aufzusteigen. Wenn sie fliegen, fliegen sie nicht in Richtung nächste Deckung sondern gleich in Richtung Horizont, ohne wieder irgendwo einzufallen. Im September werden sie von unseren Falknern noch als relativ leichte Beute für junge Falken angesehen, was

sich aber bis zum November radikal verändert, da Sage Grouse bis zu diesem Zeitpunkt einen bemerkenswerten physischen und athletischen Wandel hinlegen, um sich auf den Schnee und den tiefen harten Winter vorzubereiten. Im Winter ist es selbst für die allerbesten und erfahrensten Falken so gut wie unmöglich, eine gesunde Sage Grouse zur Strecke zu bringen. Von den Fähigkeiten als Beutewild sind also Oktober und November die idealen Monate für die Sage Grouse Beize in den Weiten des amerikanischen Westens.

Nachfolgend ein paar Eindrücke und Kommentare von der letzten Beizjagd mit Freunden und dem bekannten Grouse Beizjäger Steve Chindgren. Steve hat mehr Sage Grouse gefunden, hochgemacht und fotografiert als jeder zur Zeite lebende Falkner oder Wildbiologe. Er studiert die Überwinterungsgebiete und kehrt im Frühjahr zurück um ihre Balzrituale zu dokumentieren. Von September bis Februar beizt er auf Sage Grouse mit einem Team von Falken.

Steve's Jagdhaus, auch bekannt als das 'House of Grouse' befindet sich in Wyoming. Dorthin pilgern Freunde und Falkner aus der ganzen Welt, um die beeindruckende Sage Grouse Beize zu verfolgen, die dort seit über 20 Jahren geboten wird. Das Gebiet in Zentral-Wyoming hat die größte Sage Grouse Population des Westens und zeichnet sich durch weite offene Flächen von sg. 'öffentlichen Land' aus, welches noch nicht von irgendwelchen Ölfirmen erschlossen wurde.

Letztes Jahr war Steve  während der Beizzeit etwas durch eine Sportverletzung und mußte für 8-10 eine Beinmanschette tragen - wer's glaubt...

Während diesen Wochen blieben wir bei ihm im 'House of Grouse' und haben ein bißchen über unsere Beobachtungen Buch geführt und wollen diese Erfahrungen gerne mit unseren österreichischen Freunden teilen:

Steve: "Durch meine Verletzung habe ich gelernt, daß einen Point anzugehen besser ist, als zu rennen - man sieht einfach mehr was passiert ..."

Hier ist 'Jomo' in seiner 21. Beizsaison (!!) - noch immer ein erfolgreicher Grouse-Falke. Steve hat bis vor kurzem noch die Fußmontage verwendet und behauptet, daß der RT+ Sender für die sehr hart anschlagenden Falken die beste Wahl ist.

Steve: "Wenn du Deinen Vogel dazu ermuntern willst, schneller loszufliegen, halte ihn einfach knapper über dem Boden. Wenn man einen Falken knapp am Boden hält, will er einfach eher losfliegen. Ein Vogel der hochgehalten wird, ist einfach entspannter und beobachted die Gegend mehr."

Steve: "'Bum. Das war's'. so fliegt ein großes Ger-Weib eine Grouse, um dann in einen langen horizontalen Verfolgungsflug überzugehen. Meiner Meinung nach zählt ein 5 Kilometer Verfolgungsflug, der auf einer erlegten Grouse endet, nicht als erfolgreicher Beizflug. Deshalb bevorzuge ich Hybrid-Terzel - diese müssen einfach lernen, die Grouse im Steilstoß zu erlegen."


Steve: "Man findet Grouse fast nie im hohen Bewuchs. Sie bevorzugen niederen Bewuchs, wo sie beim stehen darüber hinwegsehen können.  Hohen Bewuchs verwenden Sage Grouse für zwei Dinge: als Schattenspender vor der Sonne und Deckung für Raubzeug."


Steve: "Für die Sage Grouse Beize ist ein guter, verläßlicher Hund mindestens genauso wichtig wie ein fähiger Falke. Manchmal haben wir Besucher, die in einer Woche keine einzige Grouse sehen ... 'Tucker' findet die Grouse in 10min!"


Steve: "Zuviele Fehlflüge bei denen der Falke mit dem Federspiel eingezogen werden muß, sind schlecht. Es macht den Falken faul. Die besten Falken werden immer von der Beute aufgenommen."

 Ein Abendessen von Männern - für Männer: Fleisch und Karfoffel. Steve kocht aber auch Reis, Salat und sonstige 'zivilisierte' Beilagen. Natürlich ist alles nur Beilage für die gebeizte Grouse des Tages!

 

 

 

 

 

Ein ungewöhnlicher Wildflug Gerterzel mit über 1.400gr Jagdgewicht. Alberto Palleroni gibt seinen großen Gerfalken frei, bevor er außer Sichthöhe in den Himmel steigt. Bevor er Professor für Verhaltensgenetik in Haravard wurde, war Alberto vor allem als Falkner bekannt, der seine Falken dazu brachte, für weit über 40 Minuten in extremer Höhe anzuwarten und (ohne Hund) auf ziehende Enten zu stoßen - also weit entfernt  von der üblichen Choreografie 'von Point, schnell nach oben, schnell nach unten', die wir alle kennen.
Alberto Palleroni mit seinem 1400gr Ger-Terzel
(Anmerkung des Übersetzers: Ich hatte mal das Vergnügen mit Alberto, Frank Bond und ihren beiden arabischen Salukis auf Hasen mitgehen zu dürfen. Alberto ist mit Sicherheit einer der nettesten Menschen, die ich je kennenlernen durfte. Ihn zeichnen, neben seinen offensichtlichen technischen falknerischen Fähigkeiten, meine Kriterien für einen echten großen Falkner aus: Bescheidenheit, Ehrlichkeit und freizügiges Weitergeben seines Erfahrungsschatzes. Arroganz ist übrigens bei den meisten amerikanischen Top-Falknern ein Fremdwort...)


Steve: "Ich bevorzuge die Sage Grouse Beize deshalb, weil man aktiv mit dem Hund und Falken in ursprünglicher Landschaft ohne menschlichen Einfluß auf eine der ehrlichsten und fähigsten Arten von falknerischen Beutewild in ihrem eigenen Element jagt. Adler sind ein Risiko, ja, und es ist fast unmöglich Sage Grouse nach dem 21. Dezember zu erlegen, aber alle anderen Beizarten beinhalten gewisse Kompromisse, die ich nicht mehr eingehen möchte."

Steve: "Von dem Moment an, wenn das Auto abgestellt ist und der Falke fliegt, brennt die Lunte. Man kann nicht mehr trödeln."

  

Langsam zum Point gehend, stellen wir sicher, daß der Falke in Position ist. Glücklicherweise ist er über 600 Meter hoch oder noch mehr ... in einer solchen Höhe ist er fast immer 'in Position'. Das Winken der Arme signalisiert das Hochmachen für den Falken.

 

Steve: "Ich bin der Meinung, daß ein Falke erst in der dritten oder vierten Saison wirklich trainiert ist. Es braucht mindestens ein Dutzend erfolgreiche Flüge nach der Mauser, bevor der Vogel wirklich gut fliegt."


Steve: "Wenn es das erste Mal schneit und die Grouse kein Wasser mehr benötigt, passieren zwei Dinge: 1) Es ist fast unmöglich sie zu beizen und 2) sie ziehen. Sie müssen nicht mehr zum Wasser und können äsen wo immer die Nahrung vorhanden und gut ist."

Hier ist Everett, ein vier jahre alter Hybrid Terzel und der offizielle 'Marshall-Testfalke' mit seiner Oktober-Grouse. Man kann die beiden Sender am Rücken und am Staart erkennen. Alles ist am Rücken des Falken und nicht beim Kampf auf der Vorderseite im Weg.

Steve: "Der Grund warum ich Hybrid Terzel mag, ist einfach die Tatsache, daß es eine größere Herausforderung ist Sage Grouse mit Terzel erfolgreich zu beizen. Im Verlauf der Beizsaison, wird es immer schwieriger und die Falken müssen einfach eine sehr gute Fangtechnik entwickeln. Allerdings kann man einen jungen Falken komplett ruinieren, wenn man unvorsichtigerweise zu lange fliegt, wenn schon der erste Schnee gefallen ist. Man muß mit den ersen Beizerfolgen zu Saisonanfang zufrieden sein und wissen, wann man aufhören muß den jungen Falken auf Grouse zu fliegen, damit sie in der zweiten Saison mit Selbstvertrauen beginnen."


Steve: "Etwas fasziniert mich am neuen Marshall Empfänger: Seine Direktionalität."


Ein Sage Grouse Hahn kann bis zu 3.5kg wiegen. Wenn also ein 700gr Terzel eine solche Beute erlegt, ist das eine echter Erfolg. Diese Form der Beizjagd scheint den Falkner, den Hund und den Falken wirklich auf die Probe zu stellen, da alle drei am Zenith ihres Könnens arbeiten müssen,um regelmäßigen Beizerfolg zu erzielen. Jedoch hat sich herausgestellt: was wir leicht erlangen können, hat einen geringeren Wert für uns. Wenn man hier draußen im Nirgendwo einen Beizerfolg auf ein solches Beutewild hat, erfährt man ein Erfolgsgefühl, das man nicht an vielen Tagen hat.

    

 

Alle Bilder dieses Artikels sind auch in etwas größerer Auflösung in der ÖFB Bildergalerie zu sehen.

 

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