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Fachgerechtes Einsetzen des Spekulums


Viele Faktoren spielen bei Zuchten von Menschenhand eine Rolle. Bei der Zusammenstellung der Vögel ist es wichtig zu wissen, ob es sich um abgetragene Vögel mit starker Prägung zum Menschen handelt oder um Tiere, die schon immer in der Voliere lebten. Geprägte Adler akzeptieren in den meisten Fällen ihre Artgenossen nicht:: sie balzen dann den Menschen an und sind ihren Partnern gegenüber sehr aggressiv.

Ich selbst habe 1975 einen derartigen Fall erlebt: Beide Adler zeigen am Block Balzverhalten - daher stellte ich die Vögel in einer 130 m² großen Voliere zusammen. Am ersten Tag flogen sie nur die Sitzstangen ab und machten einen sehr friedlichen Eindruck. Nach acht Tagen musste ich feststellen, dass ...


(langer und ausführlicher Artikel)


... das Weibchen trotz ausreichender Fütterung ihren Partner heftig attackierte und ihn wie eine Beute herumschleppte. Ich nahm den Terzel sofort heraus und stellte ihn in eine Kammer, in der er aufgrund seiner Verletzungen am gleichen Tag verendete.
Keine der echten Adlerarten kann in der Voliere dem Partner so gefährlich werden wie der Steinadler, deren Streitigkeiten meist zum Tod führen. Das am besten geeignete Paar entwickelt sich, wenn zwei Nestlinge zusammen aufwachsen und bis zur Geschlechtsreife ununterbrochen in der Voliere zusammenstehen. Diese Möglichkeit bietet sich natürlich nur wenigen Falknern. Bei einem solchen Paar kann man mit ziemlicher Sicherheit den späteren Zuchterfolg garantieren.
Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, mit Adlerpärchen zusammenzuarbeiten. Man zieht ein Jungadlerpärchen miteinander auf und arbeitet mit ihm falknerisch bis zur Geschlechtsriefe, wobei täglich mindestens eine halbe Stunde Freiflug zum Programm gehört. Diese Art von Zusammengewöhnung praktizieren wir auf unserem Falkenhof schon seit Jahren erfolgreich. Die Beschaffenheit der Voliere ist für den Zuchterfolg nicht bedeutend. Wenn ein Paar zusammen harmoniert, ist es egal, ob die Voliere ganz geschlossen ist oder ob es eine Drahtvoliere ist, in der die Vögel nur eine Brutnische zur Verfügung haben.
Vorteilhaft kann sein, die Voliere zu verkleiden, wenn sie an einem Ort mit viel Betrieb steht und die Tiere immer wieder gestört werden. Dies soll aber kein Schema sein; in verschiedenen Tiergärten wurden i8n normalen Drahtvolieren schon viele erfolgreiche Bruten großgezogen. Obwohl die Voliere von den Besuchern nicht abgeschirmt war, ließen sich Steinadlerpaare nicht stören. Aufgrund dieser Tatsachen kann man für die Beschaffenheit einer Zuchtvoliere keine genaue Richtlinie aufstellen.
Ich persönlich bin der Auffassung, dass für ein Adlerpaar die Voliere so groß sei soll, dass die nötige Bewegungsfreiheit der Tiere gewährleistet ist. Ebenso wichtig ist die biologische Reinigung, d. h., die Volieren werden durch Regen und andere natürliche Einflüsse größtenteils selbst gereinigt, denn es ist wichtig, Brutpaare nicht durch Reinigungsarbeiten unnötig zu stören.
Mein Vorschlag für das Mindestmaß einer Großgreifvogel-Voliere:

Länge 5 m, Breite 8 m, Höhe 4 m

Siehe Empfehlung des CIC (Seite 94 - 97)


Künstliche Besamung

Neben der Naturbrut, paarweise in der Zuchtvoliere, gibt es auch die Möglichkeit der künstlichen Besamung bei Steinadlern.
Eingangs möchte ich erwähnen, dass es unbedeutend ist, wie die Voliere gestaltet ist oder wie groß die Voliere ist, was die Zucht betrifft. Es hat sich herausgestellt, das es Vögel bei falknerischer Haltung oft an den ausgefallensten Plätzen zur Eiablage gebracht haben. Ein Vogel war in seiner Kleinvoliere so vertraut, dass er beim Erreichen der Geschlechtsreife die Eier in eine Ecke gelegt hat und dort die selbigen bebrütete. Ein anderer Vogel legte seine Eier in einem 50 cm hohen Horst an seiner vertrauten Flugdrahtanlage ab.
Der Grund hierfür ist die starke Fehlprägung auf den Falkner, der ihm so viel Vertrauen schenkt, dass der Vogel das gesamte Brutgeschäft auch mit ihm durchläuft. Es sind mir eine Flugdrahtanlage gestellt wurden und nach ca. neun Jahren das erste erfolgreiche Gelege dort getätigt haben. Dies geschah, indem sich der weibliche Vogel freiwillig das Sperma in die Kloake einführen lä0t, und es so jedes Jahre zu einer erfolgreichen Befruchtung kam. Voraussetzung hierfür ist natürlich, zur Brutzeit immer genügend Samen zur Verfügung zu hab en. Dies ist bei Steinadlerterzeln nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Der geringste Standortwechsel allein reicht schon aus, um den Vogel so zu stören, dass es unmöglich ist, von ihm Sperma zu gewinnen. Es gibt wirklich nur wenige Steinadlermännchen, die Sperma in einer ihnen nicht vertrauten Umgebung geben.
Gleiches gilt natürlich für den weiblichen Adler: Volierenumbau, Umsetzung auf einen anderen Platz, das reicht oft aus, dass eine Eiablage mehrere Jahre ausbleibt: Allgemeingültige regeln gibt es diesbezüglich nicht, wie man einen Adler am besten zum Brutgeschäft bringt. Lange Zeit war man der Meinung, dass ein menschengeprägter Adler sich niemals mit einem anderen Partner natürlich verpaart. Dies trifft in keiner Weise zu, denn ein Jagdadler von mir, den ich als Nestling aufzog, wurde mit sieben Jahren zu einem Terzel gestellt (in einer Großvoliere 6 x 4 x 7 m). Nach nur 3 Jahren kam es bereits zu einer erfolgreichen Nachzucht, die sich in den darauffolgenden Jahren fortsetzte.
Generell lässt sich dagegen, dass, wenn sich ein Adlerpaar ohne Streitereien gut verträgt, die Hoffnung gegeben ist, dass daraus ein Zuchtpaar entsteht. Als Züchter muss man permanent das Verhalten genau beobachten. Zankt sich ein Steinadlerpaar ständig, greift sich am Futter an, dann ist höchste Vorsicht geboten. Solche Vögel sollten man besser trennen, denn es führt meist zum Tode eines Vogel ei der Balz- bzw : Paarungszeit.
Wichtig ist es, wie man die Jungvögel aufzieht. Man minimiert vorgenanntes Risiko, indem man mehrere Nestlinge gemeinsam aufzieht oder es auf natürliche Wege den Eltern überlässt, wenn sie nach Jahren für die Zucht zusammengestellt werden sollen.
Die meisten Falknervögel sind derartig fehlgeprägt, dass sie sich gegenüber anderen Artgenossen und Personen abweisend oder sogar aggressiv verhalten, außer dem ganz persönlichen Verhältnis zu ihrem Falkner. Solche Vögel kann man in den meisten Fällen nur künstlich besamen. Die Samenübertragung erfolgt mit Hilfe eines Spekulums direkt in den Eileiter.
Wer genügend Erfahrung hat, schafft dies auch ohne. Der Samen wird mit einer Kapillarpipette übertragen. Mindestens vier bis sechs Tage vor der Eiablage muss die Besamung stattfinden. Erfolgt die Eiablage in kurzen Abständen, so ist meist erst das übernächste Ei befruchtet. Deshalb ist es wichtig, dass der Vogel bei künstlichen Besamungen, durch Eggpulling zur fortsetzenden Eiablage gebracht wird.  Bei Adlern, die nur ein bis zwei Eier legen, ist die Besamung meist wenig erfolgversprechend, da man nur sehr schwer den genauen Zeitpunkt der Befruchtung findet. Künstliche Besamung beruht im wesentlichen auf zwei Schwerpunkten: erstens auf einem eingespielten Team von zwei Menschen sowie auf Vögel, die man schon mehrere Jahre kennt. Die erste Steinadlerzucht durch künstliche Besamung gelang dem amerikanischen Falkner James Grier Anfang der 70er Jahre.


Allgemeines über die Zucht

Abschließend lässt sich Vorausgesagtes folgendermaßen zusammenfassen:

Sich immer dem zur Verfügung stehenden Vogelpotential anpassen
Peinlichste Sauberkeit in der Zuchtvoliere und an anderen Aufstellplätzen
Ständige Beobachtung der Zuchtvögel
Gezielte Fütterung. Zur Brutzeit leb endwarme Atzung reichen (Stoffwechsel)
Sehr frühe Vorbereitung, wenn es sich um Adler handelt, die später künstlich besamt werden sollen.

Hierzu gehört:

  • Zusammenlegen des Vogels
  • Handgriffe zum Abnehmen des Samens beim Männchen, wobei es wiederum verschiedene Techniken gibt:
  • Das Einwickeln in einer Decke
  • Zusammenlegen des Vogels am Block
  • Unter den Arm nehmen und so den Samen abnehmen
  • Kopulation des Adlerterzels auf dem Falkner
  • Dem geprägten Weibchen beim Horstbau helfen, indem man ihr Nistmaterial von Hand anbietet oder ihr in den Schnabel gibt


Bei der künstlichen Besamung nicht mit eiskalten Händen oder kaltem Spekulum arbeiten.
Den Samen von mehreren Männchen zusammen mischen und übertragen, wenn man sich nicht sicher ist, welcher Samen der bessere ist bzw: welcher Samen beim Weibchen besser greift. Durch DNA-Analyse kann dann das jeweilige Männchen bei den Vogeljungen wieder gefunden werden. Dies sollte aber nur von einem erfahrenen Labor durchgeführt werden, welches auch über genügend Erfahrung mit Greifvogel   DNA verfügt.
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Alter und Geschlechtsreife:

Man erlebt es immer wieder, dass auf den Mensch geprägte Vögel schon in sehr jungen Jahren Balz- und Brutverhalten zeigen; dies ist jedoch nur spielerisch aufzufassen.
Ich hatte die Möglichkeit, mich in meiner falknerischen Laufbahn an ca. zwanzig Steinadlern zu orientieren, und konnte feststellen, dass Balzverhalten und Brutverhalten erst im Alter von fünf bis zehn Jahren ernst zu nehmen sind. Es wird zwar immer wieder in der Fachliteratur darauf hingewiesen, dass ab dem 5. Lebensjahr Züchtungen möglich sind, in Gefangenschaft ist mir jedoch so ein Fall nicht bekannt.
Keineswegs nachteilig erweist sich, die Tier schon mehrere Jahre vor ihrer tatsächlichen Geschlechtsreife zusammen in die vorgesehene Zuchtvoliere zu stellen. Häufiger Wechsel der Volieren jedoch erweisen  sich als wenig erfolgversprechend für ein Paar.
Dies konnte ich bei einem zwölfjährigen Stanadlerpaar feststellen, das seit 1975 in der gleichen Voliere beisammen stand. 1976 und 1977 kam es dann zu einer unbefruchteten Eiablage und 1978 legte das Paar das erste befruchtete Dreiergelege ab, woraus ein Jungvogel hervorging.
Dieses Pärchen wurde dann von seinem tatsächlichen Besitzer aus der alten Voliere bei mir genommen und in eine neue umgesetzt,. Das Steinadlerzuchtpaar reagierte mit einer Brutpause im Jahr 1979 - meines Erachtens aufgrund der Volierenumstellung. Es brütete dann erst wieder 1980 in der neuen Voliere, wobei das Zuchtpaar wiederum einen Terzel großzog.
 

Aufzucht von Steinadlern in Menschenhand

Steinadlerzucht ist zweifellos keine Freizeit- oder Nebenbeschäftigung. Ein junger Steinadler erfordert für einen Menschen viel Zeit, Fachwissen und Hingabe. Jungadler sind für viele Krankheiten anfällig, wie z. B. für Lungenentzündung, Gelber Knopf, Rachitis oder Kropfgeschwüre. Manchmal entwickeln sich auch die Federn ungenügend, sie sind verkrüppelt.
Ein Adlerküken muss in einem absolut zugfreien und hellen Raum - am besten in einem Kunsthorst - aufgezogen werden. Die Raumtemperatur soll bei einem drei bis zehn Tage alten Küken 22 bis 25°C betragen. Ab dem zehnten Tag soll die Temperatur zwischen 15 bis 18°C liegen.
Für jeden jungen Greifvogel ist die Sonnenbestrahlung von größter Wichtigkeit. Man baut einen Kunsthorst am besten in eine große Schachtel, in der man den Vogel täglich einige Stunden der Sonnebestrahlung aussetzt. Daher ist zu beachten, dass das Tier nicht zuviel Sonne ab bekommt. Die Pappschachtel sollte deshalb so aufgestellt werden, dass der Horst zum Teil im Schatten liegt, so dass sich der Vogel auch in eine dunkle Ecke zurückziehen kann.

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Jedes Ei wird vermessen und gewogen


MERKE: Ohne Sonne kein gesunder Vogel!

Bis zum zehnten Lebenstag darf der Horst noch weich sein; ich empfehle frische Tannen- oder Kiefernzweige, die aber immer ganz trocken sein müssen. Ab dem zehnten Lebenstag soll der Horst aus gröbrem Astwerk, wie z. B. Fichte, Buche oder Wacholder bestehen. Er wird uneben geschichtet, denn der Kunsthorst soll kein Polster, sondern eine harte Unterlage darstellen. Dies ist für die gesunde Entwicklung des Knochengerüstes wichtig und außerdem eine vorbeugende Maßnahme gegen Rachitis.
 

Fütterung

Das Futter soll beim Jungvogel immer frisch und nach Möglichkeit nicht gefroren und aufgetaut sein. Am besten hält man sich lebende Küken und tötet davon den täglichen Bedarf. Eintagsküken sind in der Falknerei das Universalfutter und können dem Greifvogel in jeder Altersphase verfüttert werden. Bei Jungadlern bis zum 50. Lebenstag ist darauf zu achten, dass der Flaum des Kükens entfernt wird. Zur klein zerhackten Atzung gibt man täglich eine Tablette "Osspulvit" und eine Messerspitze "Multimulsin". Diese Zusätze verwendet man bis zur achten Lebenswoche. Vorteilhaft für die Entwicklung des Jungadlers ist auch die Gabe von Kaninchen, Rehfleisch, großem Geflügel, Rinderherz oder Rindfleisch als Atzung.
Dabei soll man Kaninchen, Hühner, Hasen oder Wildenten in gerupftem bzw. abgebalgtem Zustand durch den Fleischwolf gedreht verfüttern. Dies hat den Vorteil, dass auch die zur Entwicklung sehr wichtigen Knochen sowie das Muskelfleisch verfüttert werden können.
Vor der Verwertung von Tauben sei gewarnt, da durch die sie viele gefährliche Krankheiten auf den Jungvogel übertragen werden Können! Man füttert den Jungvogel mehrmals am Tag, so oft er etwas will. Der Kropf soll nie ganz leer sein; nachts braucht das Tier nicht gefüttert zu werden. Jungvögel, die sehr wenig Futter annehmen, müssen unbedingt zwangsgefüttert (gestopft) werden. Ansonsten wird der Vogel immer schwächer, was dann den Tod zur Folge haben kann. Es gibt bei sechs- bis zehnwöchigen Adlern Verweigerungsperioden, in denen sie nichts zu sich nehmen wollen oder mehrmals am Tag die Atzung herauswürgen. Diese Zeit muss ebenfalls mit der Zwangsernährung überbrückt werden.
Verweigerungsperioden kommen bei fast jeder Jungadleraufzucht vor! Wenn sich das Gefieder in der Endphase der Entwicklung befindet, soll der Adler schon ganze Beutetiere vor sich im Horst finden, damit er sich tagsüber damit beschäftigen kann. Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass der Horst stets von Schmelz saubergehalten wird, sonst besteht noch die Gefahr, dass das Gefieder - vor allem der Stoß - durch den scharfen Schmelz verbrannt wird.
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Vorsorgebehandlung bei Brutvögeln  

Für Zuchtvögel ist die Impfung gegen Geflügelpest sehr wichtig, wobei sich der Schutz über das Ei hinaus erstreckt.
Vor der Eiablage sollte dem Zuchtpaar täglich je Tier ein halber Teelöffel "Davino" Pulverpräparat und Vitamin B verabreicht werden. Damit erreicht man eine größere Kalkbildung und Eierschalendicke.
Wöchentlich ein bis drei Tropfen "Vigantol" ist für den Vitaminhaushalt des Vogels vorteilhaft. Es wäre noch ein Vitamin - B - Aquasum zu empfehlen, das an drei aufeinanderfolgenden Tagen mit vier Tagen Pause gegeben wird. Dabei wird pro Vogel 1 ml des Präparates in die Atzung gespritzt.
Beim brütenden Adler wird fünf Wochen vor dem Schlupf "Enheptin" bzw. "Gabbvocol Pulver" verabreicht.
"Trichomonaden" lassen sich mikroskopisch durch Kropfabstrich leit feststellen. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, empfiehlt sich eine bakteriologische Untersuchung besonders. Auch Blutproben für virologische Untersuchungen können von großer Wichtigkeit sein.
 

Hybridzucht der Adler

Kreuzungen in der Tierzucht sind heute nicht mehr wegzudenken. Des wegen kann man ein Thema wie Hybridzucht der Greifvögel nicht umgehen. Von manchen Kreisen verherrlicht, von anderen eher zurückhaltend betrachtet, bis zu einer völlig ablehnenden Haltung, die vor allem von Falknerei- und Greifvogelzuchtgegnern vertreten wird. Aus diesem Phänomen wurde eine heikle, europaweit diskutierte Sache gemacht. Um dem Interessenten diese Problematik etwas näher zu bringen, halte ich es für notwendig, einige Grundbegriffe und die Entwicklungsgeschichte des heutigen Standes dieser Sache wobei deren Bedeutung für die Adlerzuchtproblematik zu erklären.
Zu Kreuzungen zwischen zwei verschiedenen Tierarten kommt es auch in der Wildnis nicht selten, Greifvögel nicht ausgenommen.
Bekannt sind solche Brüten zwischen dem Schwarz- und Rotmilan in Deutschland, zwischen Mäuse- und Adlerbussard in Ungarn, zwischen Wander- und Präriefalke in Nordamerika, zwischen Ger- und Sakerfalke in Zentralasien (der sog. "Altaifalke"!) und neuerdings zwischen Wander- und Sakerfalke in Europa.
Als ein neuer Modebegriff wurde das magische Wort "Faunenverfälschung" eingeführt. Bei fairer Betrachtung dieser Problematik muss man einsehen, dass die Natur darauf nicht angewiesen ist, auf den Menschen zu warten, bis dieser die Fauna verfälscht. Es benötigt wirklich nicht viel Wissen im Bereich der Biologie und Entwicklungsgeschichte, um zu verstehen, dass die gesamte Evolutionslehre von Darwin auf diesem Fundament basiert.
Zur Kreuzung von Greifvögeln in der Gefangenschaft kam es anfangs eher aus Mangel an geeignete Zuchtvögeln der gleichen Art. So haben sich im Jahr 1906 Gänsegeier und Mönchsgeier im Zoo von Hannover verpaart und Jungvögel aufgezogen.
Eine ursprünglich nicht geplante Kreuzung war auch die erste gelungene Falknerhybridzucht durch Naturbrut zwischen dem Wander- und Sakerfalken in Fermoyle Lodge, Irland, anfangs der 70er Jahre, das in zwei erfolgreichen Brutjahren insgesamt 5 hybride Jungfalken hervorgebracht hat. Aus den 70er Jahren ist auch eine Naturbrut zwischen Rot- und Schwarzmilanen bekannt (Adlerwarte Rüdesheim, Deutschland).

Erst das Beherrschen der künstlichen Besamung ermöglichte weitere, viel gewagtere Kombinationen zu meistern, unter anderem auch Adlerkreuzungen . Dennoch sind diese aber mehr oder weniger eine Rarität geblieben, die wiederum auf Mangel an geeigneten Zuchtvögeln eigener Art zurückzuführen ist.
Meistens handelt es sich um Kreuzungen des Kaiser-, Steppen- oder Kaffernadlers mit dem Steinadler. Es gab zwei Gründe, warum die Falknerei nach der Hybridzucht gegriffen hat:
Erstens war es die Neugier, welche Eigenschaften diese Geschöpfe haben werden, wobei man nicht zuletzt mit bewussten Ausbesserungen der vorhandenen Eigenschaften durch eine Beimischung von fremden Genen gerechnet hat. Dies gilt zumindest bei der Falkenzucht. Bei der Adlerzucht muss man immerhin betonen, dass am Steinadler kaum etwas auszubessern ist. Demgegenüber kann man einen Kaiser- oder Steppenadler mit Steinadlergenen sehr wohl "aufbauen" - zumindest vom falknerischen Standpunkt her.
Der zweite, nicht unwesentliche Grund, warum man Hybridfalken züchtet, ist der Druck der Falknereigegner, gegen welche man Beweise erbringen musste, dass Falkner wirklich züchten können, weil es von Unwissenden immer wieder in Frage gestellt wurde.

Selbst die erste gelungene Zucht des Wanderfalken von Renz Waller anfangs der 40er Jahre wurde angezweifelt, aber auch öffentlich von einem Oologen (Eiersammler) in einem Zeitungsartikel verteidigt. Nicht zuletzt muss betont werden, dass die Greifvogelzucht und die Greifvogelhybridisierung sehr viele Erkenntnisse von hohem wissenschaftlichen Wert hervorgebracht haben. Mehrere namhafte Wissenschaftler haben sich in dieser Problematik engagiert. Die bekanntesten, wie z. B. Prof. Saar in Deutschland oder Prof. Cade in den USA, konnten brillante Ergebnisse erzielen, weil sie ihr wissenschaftliche Arbeit auf einer jahrzehntelangen Falknerpraxis aufgebaut haben.
Wenn man in der Vergangenheit nachsucht und die damaligen Äußerungen von wissenschaftlichen Kapazitäten der 70er Jahre wieder ans Tageslicht holt, nach welchen die Greifvogelzucht in größerem Ausmaß unmöglich sein sollte, so zeigt sich heute die Falknerei mit ihrem Zuchtvermögen als triumphaler Sieger. Leider passt es vielen nicht, viele wissen es nicht, aber es ist die Tatsache, die mit unwiderlegbaren Beweisen ausgestattet ist.
 
Die Falknerhybridisierung ist heutzutage eine Routine-Arbeit geworden, die leider ein zu großes Ausmaß angenommen hat.
Demgegenüber ist die Adlerhybridisierung bisher nur bei namhaften Großgreifvogelzüchtern (v.Pöllnitz, Fentzloff u. a.) gelungen, die sich darauf nicht aus kommerziellen Zwecken einließen. Meiner Ansicht nach hat die Hybridzucht zwar neue, enorm interessante Erkenntnisse für die Wissenschaft und interessante neue Beizvögel für die Falknerei hervorgebracht, aber die Reinzucht sollte dennoch auf Kosten der Hybridzucht gefördert werden.

Zum Schluss der Greifvogelzuchtproblematik möchte ich noch einen Gedanken anführen: nämlich einen Appell an Greifvogelzuchtgegner, die sich so gut wie immer als große Artenschutzexperten behaupten, dass sie letzten Endes so gut wie nichts für den Artenschutz tun, durch ihre Haltung nur erfolgreiche Züchter, die wirklich in der Lage sind, etwas Positives für den Artenschutz zu leisten, an ihrer Arbeit hindern.


 

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