5000 Kunsthorste wurden in der mongolischen Steppe errichtet

+++ Neueste Information:  Nach den Zählungen der letzten Wochen haben dieses Jahr ca. 750 Sakerpaare die Kunsthorste angenommen. Die Projektbetreiber hoffen, daß heuer an die  2400 junge Saker flügge werden! Dieser Erfolg ist auch vor allem der Übertragung der Kontrollverantwortung an die Steppenbewohner der jeweiligen Gebiete geschuldet - ein Beispiel, daß für zukünftige Projekte Schule machen sollte. +++

Wie bereits bei der erfolgreichen Rettung des weltweiten Wanderfalkenbestandes durch die internationale Falknergemeinschaft, die man wohl zu einem der erfolgreichsten Artenschutzprojekte aller Zeiten zählen kann, zeigen auch bei der Sicherung des asiatischen Sakerfalkenbestandes wieder die Falkner, wie man es richtig macht.
Ganz ohne großes Marketing und irgendwelche Publicity, wurde vor einigen Jahren unter Führung des ÖFB Ehrenmitgliedes Dr. NIck Fox OBE ein höchst erfolgreiches Projekt gestartet, zu dessen Kernmaßnahme die Errichtung von 5000 (!) Kunsthorsten in der mongolischen Steppe zählte.

 

Der Sakerfalke erfreut sich noch immer großer Beliebtheit in der arabischen Falknerei, nicht nur aus Tradition, sondern vor allem aufgrund seiner jagdlichen Fähigkeiten und seiner Anpassung an die klimatischen Verhältnisse, die in Wüsten und Wüstenrandgebieten vorherrschen. Die Nachfrage in den arabischen Ländern wird heutzutage hauptsächlich aus der Nachzucht in Menschenhand gedeckt.

Seit Mitte der 90er Jahre werden auch naturentnommene Sakerfalken aus der Mongolei in die arabischen Länder legal exportiert. Die mongolische Regierung setzt in Übereinkunft mit dem Washingtoner Artenschutzabkommen (folgend CITES genannt) jährlich eine Quote fest, wie viele Sakerfalken aus der Natur entnommen werden dürfen.Da es keine wissenschaftliche Grundlage für die festgesetzte Anzahl von entnommenen Sakerfalken gab und auch nicht feststand, ob und wie sich die Entnahme von Wildvögeln aus der Natur auf die Sakerfalkenpopulation auswirkt, regte die CITES ein Projekt mit Nachhaltigkeit in der Mongolei an. CITES erlaubte weiterhin den legalen Handel mit Sakerfalken, allerdings begrenzt auf 300 Exemplare für das Jahr 2009 und 2010.
 

 

Währenddessen lief das großflächig angelegte Projekt in Form von tausenden Kunsthorsten an, die den Sakerfalken als Brutplätzen dienen sollten. Ziel war es dadurch zu erkennen, wie viele Sakerfalken denn tatsächlich brüten und somit auch verwertbare Zahlen über die mongolische Sakerfalkenpopulation zu gewinnen.

Das Projekt ist unter Zusammenarbeit von Forschungsorganisationen wie International Wildlife Consultants Ltd. und deren mongolischen Forschungspartnern, sowie dem Wildlife Science and Conservation Center wissenschaftlich geführt. Weiters ist auch ein Memorandum zwischen der mongolischen und der Regierung der Vereinten Arabischen Emirate (VAE) unterzeichnet worden. Die VAE sind auch die finanzielle Triebkraft hinter diesem Forschungsprojekt. Der Erhalt der Sakerfalken und deren Produktivität in der Wildnis und die nachhaltige Nutzung von Wildfängen unter transparenten Stückzahlen sollten vereinbare Komponenten bleiben. Daraus ergibt sich auch das System hinter diesem Projekt.


Aufstellen der Kunsthorste
Die Kunsthorste verteilen sich über riesige Gebiete

Die mongolische Steppe bietet viele offene weitreichende Flächen,aber auch hügelige Graslandschaften, dennoch fehlt es den Sakerfalken, trotz großem Beutevorkommen an ausreichend verfügbaren Brutplätzen. Die Gebiete sind zwar stets von Sakerfalken besetzt, jedoch brütet dieser kaum und zieht umher. Durch die Errichtung von künstlichen Nistplätzen wird für die Sakerfalken ein Angebot geschaffen, damit sie sich dort niederlassen und dort auch brüten. Somit wird die Zahl der steppenbewohnenden nachzüchtenden Sakerfalkenpaare nachhaltig erhöht.


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Vorerst wurden 100 künstliche Horste im Abstand von zwei Kilometern voneinander angelegt. Zugleich wurden die Horste in vier verschieden Ausführungen den Falken zur Verfügung gestellt, um herauszufinden, welche Horstform von den Vögeln bevorzugt angenommen wird. Über vier Brutsaisonen hinweg wurden die Daten über Auslastung und Bruterfolg gesammelt, in einer Zeit in dem das Vorkommen von Nagetieren als Beute eher gering zu betrachten war. Trotz allem stellte sich heraus, dass die Sakerfalken die Horstvariante in Form einer geschlossenen Box („Closed Box“) am ehesten annahmen und darin auch den höchsten Bruterfolg hatten. Auf einer Fläche von 100 km² konnten fünf Brutpaare festgestellt werden.

Nach diesen Erkenntnissen und dem sich einstellenden Erfolg wurde eine zweite Serie von künstlichen Brutplätzen angelegt. Allerdings diesmal nur in der „Closed Box“ Variante und in verringerten Abständen zueinander. In sechs separaten Steppengebieten mit ausreichendem Nagetiervorkommen wurden jeweils 25 Horste im Abstand von 1 km aufgestellt. Also insgesamt 150 Horstplätze, die den Sakerfalken zur Verfügung standen. Nach drei weiteren Saisonen war der Erfolg des Horstprojektes deutlich wahrnehmbar und belegbar. Die Brutdichte betrug 17 Paare auf 100 km², wobei im Durchschnitt der Brutversuche 3,5 Jungvögel hochkamen.

Nachdem nun eindeutige, wissenschaftlich fundierte Ergebnisse vorlagen, wurde mit dem mongolischen Ministerium für Natur, Umwelt und Tourismus beschlossen, das Kunsthorstprojekt abermals zu erweitern, auch um eine künftige Nutzung von Vögeln aus der Natur zu gewährleisten. Mit finanzieller Unterstützung aus den VAE konnten 2010 in den weitreichenden Gebieten der Mongolei weitere 5000 Horste in 20 aufgeteilten Blöcken zu je 250 Horsten aufgestellt werden. Seit 2011 steht dieser Feldversuch unter Beobachtung und überwacht die Produktivität. Bis zum Jahr 2015 wird ein Erfolg in der Form erwartet, dass von 1500 Kunsthorsten mindestens 500 von Sakerfalkenpaaren besetzt sind und jährlich etwa 1500 Jungvögel aufgezogen werden. Bis 2011 blieb die Exportrate von mongolischen Sakerfalken auf 300 Exemplare beschränkt. Um höhere Quoten für den Export festlegen zu können, bedarf es einer fachlich fundierten Methode, in die auch Faktoren wie Alters- und Geschlechterverhältnisse miteinbezogen werden. Ein weiterer Faktor ist die Bestimmung der Herkunft der Falken. Um den Ursprungsnachweis zu erbringen, werden die fast flüggen Falken in den Kunsthorsten mittels eines implantierten Mikrochips gekennzeichnet. Es müssen auch noch einige politische Hürden genommen werden, um den Handel mit den Sakerfalken in Übereinkunft mit der mongolischen Regierung auf eine vertretbare Ebene zu stellen.

Der Kunsthorst der „Closed Box“-Variante:

Der Horst wird aus halbierten Orangensaftfässern, die in der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator angekauft werden, gefertigt. Die Fässer bekommen eine großzügige Öffnung und die Kanten werden abgerundet, um den Falken das Sitzen zu ermöglichen und um unnötige Verletzungen zu vermeiden. Zusätzlich werden an den Deckeln der Fässer noch 3 Metallstreifen in Form einer Krone angebracht um auch für die vorkommenden Hochland-Bussarde ein Brutangebot zu schaffen. Bis Juli 2010 waren 5000 Fässer gefertigt und aufgestellt.

Im zweiten Jahr, nachdem die 5000 Kunsthorste installiert wurden, konnten 347 Sakerfalkenhorste nachgewiesen werden, sowie weitere 33 Horste aus den bereits davor bestehenden 250 Horsten der übrigen Versuchsflächen. Insgesamt wird somit der Bruterfolg von 380 Paaren überwacht. Einige Bruterfolge konnten nicht gezählt werden, da die Erstbrut gescheitert war und der erste Kontrollbesuch der Kunsthorste zwischen dem 1. und 15. Mai stattfand, das durchschnittliche Legedatum war jedoch etwa am 5. April.

Eine Schätzung ging davon aus, dass aus den 380 Paaren zwischen 1246 und 1319 Jungvögel hervorgehen. Während des laufenden Monitorings wurden jedoch 1315 Jungvögel aus 348 erfolgreichen Bruten gechippedt. Interessant ist, dass die Brutdichte zwischen 0,9 und 9,6 Brutpaaren auf 100 km² ( 1,8 Paare/100 km² Gesamtdurchschnitt) variiert. An der National University of Mongolia sind 3 Studenten damit beschäftigt, dieses Phänomen zu ergründen. Im Jahr 2011 waren 200 Sakerfalkenbrutpaare in den Kunsthorsten gezählt worden, eine 90%-ige Erhöhung des natürlichen Zuchtbestandes und ein enormer Schritt in Richtung der Erfüllung des angestrebten Zieles von 500 Brutpaaren bis zum Jahr 2015. Während der Monitoring-Besuche wurden nicht nur Sakerfalken an den Horsten gezählt, sondern auch andere Arten, die die Horste sehr gern annahmen.

Darunter auch:

- Turmfalke (Falco tinnunculus) 905 Paare
.- Hochland-Bussard (Buteo hemilasius) 298 Paare
.- Kolkraben (Corvus corax) 269 Paare

Bei diesen Zahlen handelt es sich ebenfalls um die Mindestzahl, da gescheiterte Erstbruten nicht mit einbezogen wurden.

Die angebotenen Kunsthorste bieten den mongolischen Sakerfalken die Möglichkeit sich niederzulassen. Der Handel mit Sakerfalken-Wildfängen unterstützt das Vorkommen und die Entwicklung des Sakerfalkenbestandes nachhaltig, da aus den Einnahmen, die durch den Handel generiert werden, die Wartung, Instandhaltung der Horste, und die Beobachtung der Entwicklung erst möglich gemacht wird.

 

(Quelle: www.savethesaker.com)

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