Fachsymposium zum Thema ?Falknerei als immaterielles Kulturererbe der Menschheit

Bergassessor a.D. Dipl.Ing. Dieter Schramm – Präsident des CIC, dem 80 Nationen angeschlossen sind – ihm wurde vom ÖFB für seinen persönlichen Einsatz in Sachen Falknerei die höchste Auszeichnung des ÖFB,das „Goldene Falkenhäubchen“ verliehen. Unter seiner Präsidentschaft wurde die Falknerei als Kommission des CIC ins Leben gerufen. Durch diesen Schritt bekam die Falknerei als Jagdart mehr Aufmerksamkeit und so können  auch ihre Belange  international besser vertreten werden. Er war es, der auf der Generalversammlung des CIC 2005 in Abu Dhabi über die Emirate den Anstoß gab, die Falknerei der UNESCO als Kulturerbe näher zu bringen. Zählt doch die Jagd mit dem abgerichteten Greif zu den ältesten Jagdformen, die wir kennen.


Falkner aus vielen Nationen waren vertreten


Landtagsabgeordneter Sepp Brandmayr-Landesjägermeister von Oberösterreich 
Josef Monz- Landesjägermeisterstellvertreter von Kärnten
Dr. Peter Lebersorger – Generalsekretär der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände.
Jim Chick -  Chairman British Hawk Board – einer Organisation von 25.000 Greifvogelhalter 
Mrs. Gwyn Edwards aus Wales –UNESCO  Kommissionsvorsitzende für Wales- Großbritannien
Dr. Dr. Sigrid Schwenk – Universitätsdozentin und Jagdwissenschaftlerin von der Techn. Universität München
Gregor Schönstein-Geschäftsführer der Lobbying Agentur Public Interest-Lobbying Consultants


Das Programm der Redner wurde aufgelockert durch musikalische Einlagen der Kremser Bläsergruppe. Die feierliche Tagungseröffnung fand im großen Marmorsaal des Schlosses Rosenburg statt. Kein stilvolleres Ambiente hätte gefunden werden können, da die Rosenburg sich als gepflegtes und großräumiges Anwesen bestens eignet.  Hausherr Graf Hoyos bedankte sich in seinem Grußwort, „er sei stolz und glücklich, dass der ÖFB diese Internationale Tagung auf seinem Schloss abhalte“. Dazu wäre zu bemerken – ich finde, wir alle müssen stolz und dankbar sein, dass es noch Jagdherren gibt, die solch herrliche Anwesen besitzen und sie zur Pflege unseres Kulturgutes zur Verfügung stellen!
Das Rednerpult im Marmorsaal zierte eine Abbildung des verkappten weißen Gerfalken aus dem Buch „Traité de Fauconnerie“ 1844-1853.


Gwyn Edwards, UNESCO Wales


Leitmotiv war der Titel des bis heute wohl berühmteste Buches über die Falknerei und Ornithologie von Kaiser Friedrich II „De Arte Venandi Cum Avibus“ (Über die Kunst mit Vögeln zu jagen) aus dem 13. Jhd.
Der große Speisesaal war dekoriert mit Jagdszenen von Elias Riedinger (1698-1767)und auch eine andere Größe der europäischen Falknerei, der „Blaue Kurfürst Clemens August“ (1750) war würdevoll vertreten. Wunderschöne, großformatige Bilder zeigten den berühmten Wittelsbacher sowohl in Schloss Brühl, als auch auf Schloss Falkenlust,  mit seinen bekanntesten Wegbegleitern. Der Lieblingssport des Kurfürsten war die Jagd mit dem Falken auf Graureiher in den Rheinauen von Köln.
In zwei Nischen standen hohe Recks – dem Original nachgefertigt – blaues Samttuch mit Silberbrokat abgesetzt, Gerätschaften, Kappen, Taschen und Handschuhe trugen das Monogramm „CA“, des wohl berühmtesten Falkners aus dem 18.Jhd.

Heurigenbesuch in Retz


In den Arkadengängen des Schlosshofes waren bis zu 2 Meter hohe Bilder des begnadeten Malers Vadim Gorbatov aus Moskau zu sehen. – Da gab es die Jagd mit dem Sperber – die Jagd mit dem Adler auf Wolf   -   die Jagd mit dem Sakerfalken auf Houbara (Trappe)   - 

die Jagd mit dem Gerfalken auf Graureiher, die früher nur den Fürsten vorbehalten war.
Den Teilnehmern wurde nachmittags im Schlosshof eine einmalige Show geboten, die ihres gleichen sucht:
In Kostümen der späten Renaissance eröffneten Fanfarenbläser die Veranstaltung. Falkner ritten ein auf Lippizaner, Andalusier und Lusitano, typische Pferde der Barockzeit.
Besondere Augenweide waren die Falknerinnen im Damensattel. Wir erlebten schnelle, rasanten Flüge der Falken aufs Federspiel. Es folgte der Freiflug des Uhu. Dieser spielte früher eine bedeutende Rolle beim Fang der durchziehenden Wildfalken. Lockte er doch alle Greifvögel an, die im Umkreis lebten oder auf dem Durchzug waren. Damals zählte Valkenswaard zu den bekanntesten Fangstätten für Wanderfalken. Außergewöhnlich war auch, das die Teilnehmer der Tagung das Beizwild der Könige und Fürsten, einen abgerichteten Graureiher im freien Flug  erleben konnten. 
Es folgte eine Präsentation der verschiedenen Adlerarten (See-, Kaiser-, Steppen-, Riesensee- und Steinadler). Nur der Steinadler gilt als klassischer Jagdadler, mit dem wir Hase, Fuchs, Kanin und die Kirgisen, Kasachen und Mongolen den Wolf jagen.


ÖFB Präsident & Ehrenpräsident


All diese kleinen, aber sehr bedeutenden Details müssen erwähnt werden, da man sich nur so ein Bild davon machen kann, mit wie viel Liebe zum Detail Josef Hiebeler und sein Mitarbeiterstab diese Tagung gestalteten.
Nach dem offiziellen Teil ging es zu einem gemütlichen Beisammensein zum Heurigen in die Windmühle in Retz(Weinviertel), wo bis zum späten Abend gefachsimpelt wurde.
Am darauf folgenden Tag fand um 10 Uhr der Beizvogelappell statt und es ging in die Reviere. Ich hatte mich der von Monika Hiebeler geführten Gruppe angeschlossen wo ich herrliche Flüge von Adler auf Hase und Reh und von Habicht und Falken auf Fasan erlebte. Die Organisation der Tagung auf der Rosenburg und der Jagden  war eine strategische Meisterleistung und  in den Händen von Josef Hiebeler und seiner Frau Monika bestens aufgehoben.
Während sich nach der Jagd die Tagungsteilnehmer im Gewölbesaal einfanden, hielten im Marmorsaal die Mitglieder des ÖFB ihre Generalversammlung ab. Das dies für mich eine bedeutende Sitzung werden würde, konnte ich nicht ahnen. Hatte man doch einstimmig beschlossen, mir die Ehrenmitgliedschaft des ÖFB zu verleihen, was für mich eine große Freude und Ehre zugleich ist. Wie der Laudator des ÖFB, Dr. Barsch anmerkte, wurde hiermit meine erfolgreiche Zucht bedrohter Arten und mein jahrzehntelanger nationaler und internationaler Einsatz für die Erhaltung des Kulturgutes Falknerei gewertet. 
Meine Arbeit am ersten Internationalen Arabischen Falknereikongress 1976 in Abu Dhabi, zahlreiche Ausstellungen für namhafte Organisationen, sowie meine text- und bildjournalistischen Beiträge in ca. 5000 Veröffentlichungen weltweit fand hiermit Würdigung. 
Überrascht und gerührt wurde ich durch den Vertreter aus Kasachstan Abilkhak Turlybaev, die Ikone der asiatischen Falknerei, als er mir eine selbst gefertigte Atzschale, Kappe, Geschüh und seinen bestickten Traditionsmantel überreichte.


Dr. Barsch, Falknerlegende Alik & Horst Niesters


Leider war es mir nicht vergönnt, den Abschlusstag miterleben zu können, da – wie man mir berichtete – es eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre beim Streckenlegen gab. Ein Jagdkonzert französischer Solobläser in D-Dur und eine Parforce-Bläsergruppe in S beendeten mit ihrer Darbietung die Tagung.

Lassen Sie mich betonen, wir haben während der Tagung auf der Rosenburg eine mehr als gelungene Veranstaltung erlebt. Hier stimmte alles. Vorbereitung und Organisation durch den ÖFB, Josef und Monika Hiebeler und deren Mitarbeiter. Wir erlebten die praktische Falknerei bei der Jagd und einer Show, die ihresgleichen sucht. Die Harmonie zwischen Falkner, Pferd und Greif habe ich in dieser Perfektion in meinem 50jährigen Falknerleben noch nicht gesehen. Josef Hiebeler hat es verstanden, die Kritik im Keim zu ersticken. Dass eine Flugshow ohne Jagdbeute nichts mit der klassischen Falknerei zu tun hat, wissen wir. Hier geht es darum, Verständnis und Wissen über das Kulturgut Falknerei zu vermitteln. 
Ein Nichtjäger will sich an einem schönen Flug und dem harmonischen Verhältnis zwischen Greif und Falkner erfreuen. Er will nicht unbedingt mit Jagdbeute konfrontiert werden, obwohl dies in der Natur ein selbstverständlicher Ablauf ist. Eine Show, wie sie auf der Rosenburg präsentiert wird ist die beste Werbung für diese alte Form der Jagd. Die ästhetische Präsentation, das tadellose Gefieder aller zum Einsatz kommenden Vögel und die dazu sachlich fundierte Information ist beispielhaft.

Mein Dank gilt an dieser Stelle Präsident Dr. Barsch und dem ÖFB, Josef und Monika Hiebeler, sowie Graf Hoyos für die herrlichen Tage auf der Rosenburg.