Instinkt, habe ich mich schlie?lich am 9.5.2006 entschlossen, meinem inzwischen 11 Jahre alten Beizhabicht „KARMA“ die Freiheit zu geben und ihm die Langfessel zu entfernen. Die beiden Eier, die sie gelegt hat, waren ohnehin unbefruchtet und so stand einer Demontage dieser Langfessel – der Verbindung zwischen Flugdrahtanlage und Habicht – nichts mehr im Weg. Meine Gefühle bei dieser Handlung waren unbeschreiblich. Ist doch dieser Habicht seit  nunmehr 11 Jahren mein liebster Jagdgefährte – vergleichbar mit einem Jagdhund - mit dem ich die schönsten Erlebnisse, die ein Falkner nur haben kann, erleben durfte. Beizerfolge auf ca. 50 Feldhasen sprechen für sich.
Und nun dieser Schritt. Sie könnte praktisch das Weite suchen und ihre Freiheit geniessen. Doch genau das von mir Erhoffte und Erwartete trat ein. Sie suchte einen nahen Baum auf um zu schmelzen und kehrte ohne langes Zögern zurück zu ihrem Horst, wo sie sich wieder so behutsam wie nur möglich auf ihre Eier setzte.  Hin und her werden die Eier noch gewendet bevor sie sich wieder ganz ihrem Brutgeschäft widmet. 

Meine weiteren Ängste bezogen sich auf mögliche Angriffe auf Katzen usw. Dies ist aber bis jetzt Gott sei Dank ausgeblieben. Sie keckert sehr lautstark, wenn sie den Horst verlässt oder wieder zurückfliegt in den Horst. Dieses Keckern dürfte Katzen oder ähnliches Raubzeug schon von Anfang an vorwarnen und abschrecken, sich in die Nähe des Horstes zu wagen.  Auch während der Schnabelreinigung auf den Ästen keckert sie immer wieder sehr lautstark. Zudem glaube ich auch, dass sich genau wie in der Natur auch mein Habicht an den sogenannten „Burgfrieden“ hält. Ein Beispiel dafür ist, dass eines Nachmittags zwei Stockenten plötzlich in meinen Swimmingpool landen. Mein Habicht ist ein bisschen irritiert und fliegt mehrmals keckernd vom Horst zum Baum und zurück. Die Enten ignorieren den Habicht  und Gott sei Dank ist es auch umgekehrt dasselbe. Seit dieser Zeit leben beide Tierarten einträglich und friedlich nebeneinander.

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Leider musste ich am 11.6.2006 diesen zweiten Zuchtversuch erfolglos beenden. 
Wie gewohnt kam meine Karma auf meine Lockrufe aus der Hütte um zu kröpfen. Ich hatte genügend Zeit, ihr die Drahle und die Langfessel wieder anzulegen. Nachdem sie fertig war mit dem Kröpfen, nahm ich sie auf die Faust. Ihr Verhalten lie? mich fühlen, dass sie genau spürte, dass nun etwas geschieht, mit dem sie nicht einverstanden ist. Ich stelle sie für diese Nacht auf die Hohe Reck, damit sie sich beruhigen kann. Danach entferne ich den Horst und mähte die Wiese. Zum Schluss bekam sie noch frisches Wasser in die Badebrente.
 
Am 12.6 2006 hole ich sie um 05:00 früh aus der Hütte und hänge sie wieder an die Flugdrahtanlage. Ihre kehligen Laute waren eine Art Enttäuschung darüber, dass auch dieser Zuchtversuch fehlgeschlagen hat. Viel hätte ich dafür gegeben, ihr diesmal einen Erfolg zu bescheren. Da ja bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt, freue ich schon wieder auf die nächste Saison, so Gott will, dass wir diese erleben dürfen!

Falknersheil Karl Garstenauer