Vom Federspiel über Modellflieger zur ultimativen Beutesimulation

von Christian Platzer & Mag. Christian Habich

Künstliche Kragentrappe im Flug (c) IWC Ltd.


Auch wenn manche Traditionalisten in der Falknerei Bedenken zu neuen Entwicklungen haben, bergen solcherlei keineswegs immer nur “traditionsgefährdende” Entwicklungen für das Jahrtausende alte Kulturerbe. 


Im Gegenteil, kaum jemals zuvor war es möglich, mit vertretbarem Aufwand Beizvögel auf solch hohem Leistungsniveau zu fliegen, wie es seit dem Einsatz von Modellflugzeugen und Drohnen zur “Beförderung” des traditionellen Federspieles möglich geworden ist. Und, seien wir ehrlich: Auch wenn wir alle wissen, daß das tägliche Jagen über Monate hinweg in unserer Vorstellung, aber auch tatsächlich, den besten Beizvogel entwickelt, so gibt es doch äußerst wenige Falkner, die 90 oder auch 100 Tage hintereinander täglich ihren Beizvogel an herausforderndes Wild bringen können. Mag es triftige Gründe dafür geben und Ausnahmen diese Regel bestätigen, so muss es wohl dabei bleiben, dass die Realität oftmals sehr ernüchternd ist. Denn, auch wenn Job, Familie und die finanziell endlichen Möglichkeiten (zumindest für das Gros der europäischen Falkner) in der Regel für arabische Falkner ein etwas geringerer “Störfaktor” bei der Ausübung der Beizjagd ist, so haben sie mit den europäischen Falknern eines gemeinsam: Zu wenige Jagdmöglichkeiten auf Beutewild in dessen natürlichem Lebensraum. 

Diese Tatsache war ein bzw. der Hauptgrund für die Begründung von so genannten Falkenrennen in der Golfregion. Was ursprünglich als Leistungstraining für Beizvögel von wohlhabenden Falknern diente, entwickelte sich rasch zu einer Art “Sport” als Geburt einer neuen Disziplin. “Allwissenden Traditionalisten” unter den europäischen Falknern, die angesichts dieser Wettbewerbe gerne die Nase rümpfen, sei an dieser Stelle eines gesagt: Niemals zuvor ging es den Beizvögeln am Golf besser. Niemals zuvor wurde ein solcher Aufwand in Sachen Training, perfekter Haltung, Ernährung, Grundlagenforschung und tierärztlicher Betreuung betrieben, wie in den letzten Jahren. Damit ist eine der wichtigsten Forderungen der Falknerei mehr als erfüllt: Das Wohl der Beizvögel.

Von Drohne / Modellflugzeug zum ferngesteuerten künstlichen Beutewild

 

Wie immer in der Geschichte, so gibt es auch in der Falknerei Pioniere und Visionäre, die in Entwicklungen auch Chancen sehen, um die Falknerei (oder Teile davon) auf einen anderen Level zu heben.

ÖFB Ehrenmitglied Dr. Nick Fox OBE gehört seit vielen Jahren zu diesen Pionieren. Er hat als erster nicht nur die grenzenlosen Möglichkeiten von ferngesteuerten Beutesimulatoren, sondern auch die Gefahren und Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen Lösungen erkannt. Deshalb begann er vor rund zwei Jahren zusammen mit Modellflugzeug-Designern das wichtigste Beutewild der arabischen Falknerei, den Houbara (Wüstenkragentrappe) als Modellflugzeug nachzubauen. Ziel war es, einen möglichst naturgetreuen Houbara zu bauen, der tatsächlich nicht nur möglichst real aussieht und mit schlagenden Schwingen gleich schnell fliegen konnte wie seine natürliche “Vorlage”, sondern auch “fangbar” sein sollte, ohne dabei den Beizvogel zu verletzen.

Nach unzähligen Versuchen, Prototypen und Tests wurde der “Robara” zum letzten Falknerfestival in Abu Dhabi der internationalen Falknerfamilie vorgestellt. Nach einer weiteren Testsaison und vielen Verbesserungen aufgrund von weltweiten Tests (auch in Österreich), lief im Januar 2016 endlich die Serienproduktion des “Robara” an. Seit einigen Wochen ist ein Komplettpaket verfügbar, welches einen flugfertigen Robara inkl. Fernsteuerung, Akkus, Ersatzschwingen, Ersatzhälsen, etc. enthält. Eine etwas kleinere Version - der “Rocrow” (krähengroß) ist in Entwicklung und sollte ebenfalls demnächst verfügbar sein.

Im Unterschied zu den von Modellfliegern und Drohnen gezogenen Federspielen werden die fliegenden Beutesimulatoren von den Falken als ganzes gefangen und zu Boden gebracht - eben wie bei der richtigen Beizjagd.

Der Vorteil für Beizvogel und Falkner liegt auf der Hand: Man kann nicht nur junge Vögel an das Beutewild sicher und kontrolliert heranführen und sie eine Taktik entwickeln lassen wie sie es auch in der freien Wildbahn machen würden, sondern - und das ist das Wichtigste - man kann den Beizvögeln JEDERZEIT einen realitätsnahen Jagdflug bieten. Kein Federspieltraining der Welt kann einen Falken ähnlich effizient und realistisch trainieren.

Dass solcherart trainierte und geflogene Beizvögel jeden Tag soviel atzen können (und sollen), wie sie wollen, um am nächsten Tag mit demselben Enthusiasmus die Beutesimulation anzujagen, wissen mittlerweile (fast) alle Modellflugzeug- und Drohnenpiloten unter den Falknern zu schätzen. Ein gesunder Vogel, der jeden Tag 10 Minuten lange intensive und bis zu mehrere hundert Meter hoch reichende Jagdflüge macht, benötigt keine Gewichtskontrolle mehr - der beschleunigte Metabolismus des Vogels, der dem eines Wildvogels entspricht, sorgt dafür. Auch das wissen erfahrene Falkner mittlerweile. Daß derart trainierte Vögel selbstbewußter und ruhiger sind als “Wochenend-Beizvögel” ist inzwischen auch im Bewusstsein der meisten Falkner angekommen.

All inclusive! Der Robara kommt flugfertig mit Fernsteuerung, Akkus und Ersatzteilen. 
Bilder vom Einsatz in Österreich folgen in Kürze.


Wer den Sprung zum “Robara” wagen will - und er wird es nicht bereuen - dem kann auf http://rofalconry.com geholfen werden. Es gibt dort neben Videos, Gebrauchsanweisung und umfangreicher Information auch die Möglichkeit ein Robara-Paket zu bestellen.