Das Bundestierschutzgesetz

Im § 16 stand festgeschrieben, dass die Anbindehaltung von Wildtieren ausnahmslos verboten ist! 

Und Greifvögel, vielfach in x-ter Generation in Menschenhand nachgezüchtet, gelten nach  Expertenmeinung  immer noch als Wildtiere! 
Im Vorstand des ÖFB, aber auch bei einigen Mitgliedern, schrillten die Alarmglocken! Viele Falkner erkannten erst gar nicht den Ernst der Lage, einige sahen die Illegalität als möglichen Ausweg. Sofortiger Handlungsbedarf war gegeben! 

Der Vorstand setzte sich umgehend mit dem Kärntner Landesjägermeister DI Dr. Ferry Gorton in Verbindung, der die Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände, sprich Generalsekretär Dr. Peter Lebersorger, kontaktierte, um zu retten, was noch zu retten ist. 
In der Stellungnahme der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände vom 7. 1. 2004 an das Präsidium des Nationalrates wird der Erhalt der Falknerei (Beizjagd) nachdrücklich gefordert. Nun ging es daran, dieser Forderung Nachdruck zu verleihen! 

Anläßlich eines Gesprächs mit einem der Verfasser des neuen Bundestierschutzgesetzes hatten wir bereits zur Kenntnis nehmen müssen, daß eine Diskussion auf sachlicher-fachlicher Ebene keine Chance auf Erfolgsaussichten hat!

Wir erkannten, daß der Erhalt oder das Verbot der Beizjagd sich ausschließlich auf politischer Ebene entscheiden wird! 

Nun begann ein intensivstes Lobbying für die Falknerei auf politischer Ebene. Anläßlich einer jagdkulturellen Veranstaltung der Kärntner Jägerschaft im Parlament im Jänner 2004 vermittelte uns Landesjägermeister DI Dr. Ferry Gorton, ein großer Freund und Förderer der Falknerei, ein Gespräch mit Nationalratspräsident DI Thomas Prinzhorn, selbst ein passionierter Weidmann. Präsident Prinzhorn sicherte uns seine volle Unterstützung zu, ebenso versprach Bauernbundpräsident NRAbg. Grillitsch die Belange der Falknerei zu unterstützen, wie auch NRAbg. DI Uwe Scheuch. NRAbg. DI Uwe Scheuch vermittelte uns überdies im Februar eine Gesprächsrunde im Parlament mit den Tierschutzsprechern der Regierungparteien.

Frau NRAbg. Dr. Baumgartner-Gabitzer von der ÖVP und NRAbg. Klaus Wittauer von der FPÖ, samt ihren Mitarbeitern, konnten wir unser Anliegen für die Falknerei ausführlich darstellen und stießen auf großes Verständnis. 

Wir verließen das Parlament in der Hoffnung auf eine positive Entscheidung.

Freundschaften und persönliche Kontakte von Mitgliedern des ÖFB zu hohen und höchsten Funktionsträgern der Politik wurden für den weiteren Erhalt der Falknerei mobilisiert: Vizekanzler BM Hubert Gorbach, BM Benita Ferrero-Waldner, BM Josef Pröll, BM Mag. Herbert Haupt, BM Dr. Maria Rauch-Kallat, BM Günter Platter, Clubchef Mag. Wilhelm Molterer, LH Dr. Jörg Haider, LH Dr. Herwig van Staa, um die Prominentesten zu nennen. 

Am 23. 2. 2004 lag der zweite Entwurf zum Bundestierschutzgesetz vor. 
Unser enormer Einsatz hatte Erfolg gehabt! In § 16 war die vorübergehende Anbindehaltung von Greifvögeln zur Ausbildung im Rahmen der Beizjagd gestattet.

Diese sehr enggehaltene Formulierung versuchten wir in der Folge durch die Textierung:  Unberührt davon ist die Falknerei  zu ersetzen. 
Alle Bemühungen unsererseits und von seiten der Zentralstelle, die bestehende Gesetzestextierung zu erweitern oder abzuändern, waren leider vergebens. Am 25. 5. 2004 wurde das Bundestierschutzgesetz in nun vorliegender Form im Parlament mit Zweidrittelmehrheit beschlossen. In der Folge arbeiteten wir sehr intensiv daran, die vorliegenden Vorordnungsentwürfe zu verbessern. Die Verordnungsentwürfe waren zum Großteil wortwörtlich, von wem auch immer, von dem Deutschen Gutachten für Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögel und Eulen abgeschrieben. Teilweise waren sie verändert, teilweise waren Passagen gestrichen. 
Um den bearbeitenden Fachbeamten des Bundesministerium für Frauen und Gesundheit, allen voran Mag. Ulrich Herzog, in deren Kompetenz die Bearbeitung der Verordnungen lag, einen Einblick in die Greifvogelhaltung und Zucht zu vermitteln, unternahmen diese Mitte August eine Exkursion auf die Rosenburg, um die vorbildlichen Greifvogelanlagen kennenzulernen. 
Eine ausgiebige Diskussion stand am Ende dieser Veranstaltung. Der ÖFB hat eine umfangreiche Stellungnahme zur 2. Tierhaltungsverordnung vorgelegt, ebenso wie die Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände, die unseren Vorschlag so gut wie wortwörtlich übernommen hat. 

Weiters nahmen wir Kontakt zur Tierschutzsprecherin der SPÖ, NRAbg. Mag. Ulli Sima, auf, ebenso zur Tierschutzsprecherin der GRÜNEN, NRAbg. Mag. Brigid Weinzinger, mit der Bitte, unser Anliegen zu unterstützen. 

Am 11. Oktober 2004 wurde der ÖFB zu einer weiteren Verhandlungsrunde mit Frau BM Rauch-Kallat, Mag. Ulrich Herzog und Dir. Dr. Pechlaner ins Bundesministerium eingeladen. Ebenso wenig wie die schriftliche Stellungnahme, konnte die Verhandlungsrunde keine Verbesserung der Tierschutzverordnungen bewirken. 

Die Verordnungen wurden, wie in der Erstfassung vorgelegt, vom Ministerrat beschlossen. Es würde zu weit führen, alle unsere Aktionen und Einsätze, die wir zum Weitererhalt der Falknerei geleistet haben, aufzulisten. 

Allen unseren Mitgliedern, die sich in irgendeiner Weise eingesetzt haben, sagen wir einen herzlichen Falknersdank! 

Gemeinsam ist es uns gelungen, die Beizjagd-Falknerei durch eine Verankerung in einem Bundesgesetz im Verfassungsrang, hoffentlich für lange Zeit, zu erhalten.